Von der Zärtlichkeit der Alligatoren

Sitze grad in einem Hotel in Gmunden mit traumhaftem Blick auf den nebelverhangenen Traunsee. Bin aus Krankenbesuchtsgründen in der Stadt – keine Angst, nichts Schlimmes, aber das betroffene Familienmitglied ist ein wenig öffentlichkeitsscheu, also werd ich die Details nur dann genauer hier erörtern, wenn er/sie/es mich aus irgendwelchen Gründen ärgern sollte.

Worüber ich aber heute eigentlich mit euch reden will, sind Alligatoren und Musik. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn bei einem Konzert die Bässe so tief sind, dass man sie nicht hört, aber am ganzen Körper spürt? Wenn sie tief in den Knochen vibrieren, wenn die Musik nicht mehr nur Musik ist, sondern schon fast eine körperliche Berührung? Natürlich kennt ihr das – einer der Hauptgründe, warum man auf ein live-Konzert geht, oder?*

Alligatoren kommunizieren auf eine ähnliche Art, in dem so sie tiefe Laute von sich geben, dass die Wissenschaftler nicht einmal wissen, ob sie vom Empfänger gehört werden oder gefühlt.

Als ich gestern mit auf einem Konzert in der Menge stand stand und die ersten Basslaute der Vorband begannen, unter meinem Brustbein zu pochen, da hab ich mich gefragt, ob es da einen Zusammenhang gibt. Vielleicht erinnert sich ja unser Stammhirn noch an diese Sprache, vielleicht zieht sie uns deshalb so an. Vielleicht verbirgt sich irgendwo in unserer Musik das Liebesgeflüster der Reptilien.

*Einer der anderen Gründe, nämlich die Band tatsächlich live zu sehen, ist bei einer Frau mit meinen nicht gerade hühnenhaften Ausmaßen zumindest bei Stehkonzerten verhältnismäßig hinfällig. Wie beispielsweise gestern wieder mal auf dem Konzert von einer von MDs Lieblingsbands bewiesen – dass der Leadsänger einen Bart und Jesusfrisur hatte, das weiß ich nur von den Displays der I-Phones, die rund um mich in die Höhe gereckt worden sind und auf denen ich quasi meine eigene Live-Übertragung des Events bekommen hab. Den verhältnismäßig größten Teil der Zeit hab ich damit verbracht habe, nicht zwischen den enthusiastisch hüpfenden Herren vor mir und dem Wavebreaker hinter mir zu Sarahmus verarbeitet zu werden, was den Kunstgenuss dann doch irgendwie getrübt hätte.

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Eine Antwort zu Von der Zärtlichkeit der Alligatoren

  1. Alexander T. schreibt:

    Sarahmus ?? Ich dachte Rhabarber-Orange -Absinthe Marmelade…tztz die Jugend von Heute …

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