Ich versuche seit zwei Stunden, den untenstehenden Post irgendwie kohärent zu bekommen. Funktioniert nicht. Ich geb auf, ich werf euch einfach hin, was an Worten da ist. Es gibt Tage, da muss ich keinen Sinn machen, und heute ist einer davon.

Es gibt diesen Teil in meinem Hirn, der jede Emotion automatisch analysiert, einordnet, in beschreibbares Material umwandelt. Schreiberlingsberufskrankheit, was soll ich machen. Und das seltsame, was diesem Teil am heutigen Tag aufgefallen ist? Dass ich mich nach Schlomos Tod vor allem einmal wie eine Idiotin fühle.

Der Ganze Rest ist natürlich auch da: die verbrauchten Taschentücher, das ganzen Toben auf ein Universum, in dem sanfte, schlaue Kater überfahren werden, wenn es doch beispielsweise ganze fanatische Terrornetzwerke gibt, die stattdessen völlig problemlos unter die Räder kommen könnte… was man eben von der Situation zu erwarten hat. Aber vor allem komme ich mir dumm vor, weil ich es herausgefordert habe.

Jedes Mal, wenn ich im vergangenen Jahr jemandem stolz davon habe, was Schlomo, schlauster aller Kater, wieder gelernt hat. Jedes Mal, wenn ich damit angegeben hab, was für einen weichen Kaninchenpelz er hat, was für ein reiches Vokabular aus Gurren und Mauen und allem zwischendrin. Jedes mal, wenn ich jemandem erzählt habe, wie er einen mit beiden Pfoten umarmt, ganz vorsichtig, ohne Krallen, damit er einem ja nicht wehtut. Jedes Mal, wenn ich ein Gespräch begonnen habe mit: „Du wirst nicht glauben, was mein Kater gestern gemacht hat…“

Ich hab’s herausgefordert, oder? Ich hab der Welt mitgeteilt: „Ach übrigens, wir haben aus Ramses nichts gelernt. Wir hängen wieder unser Herz an eine kleine flauschige Person mit viel zu kurzer Lebensspanne, eine, die so unglaublich verletzlich ist gegen alles, was du zu bieten hast. Und dann sind wir auch noch stolz drauf und bilden uns ein, dass das gut gehen wird.“ Als hätt ich ihm ein Fadenkreuz auf den Rücken gemalt, eine Zielscheibe um den Hals gehängt.

Idiotin. Idiotin. Idiotin.

Nur, dass das ein komplett solipsistisches, oh-weh-ich-armes-Ding-Weltbild ist, abergläubisch, selbstbezogen, selbstmitleidig, am Punkt vorbei. Es geht nicht darum, dass irgendwelche mysteriösen Kräfte mir irgendetwas auswischen wollte, es geht nicht darum, was ich von der Sache halte.

Worum es dann geht? Simpel. Bis gestern Abend gab es noch einen unglaublich schlauen Kater, der die Welt erkundet hat und verstehen wollte. Dem es wichtig war, uns Dinge mitzuteilen, der seine eigenen Gedanken kommunizieren wollte – und der mit großem Enthusiasmus gelebt hat. Und jetzt gibt es ihn nicht mehr, und  die eine Person, der gegenüber es wirklich immelschreiend, abgrundtief unfair ist, der gegenüber sich das Universum sich versündigt hat –  das ist Schlomo selbst. Er war ein absolut außergewöhnlicher Kater und er hätte so viel mehr Lebenszeit und Lernen und Gurren verdient gehabt, dass ich es gar nicht sagen kann.

Das wir übrig bleiben und wieder einmal das Gefühl haben, jemand hätte unser Herz durch den Fleischwolf gedreht – das ist nur Kollateralschaden.

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