Von Kuchen, noch mehr Kuchen und einem Eichhörnchen

Um die Sarah-hat-ein-weeeenig-zu-viel-Westindischer-Früchtekuchen-Story noch zu beenden – hab die Situation in den Griff bekommen, und zwar durch eine Reihe von Anrufen der Marke: „Hey, xy, lang nicht mehr von einander gehört! Du, willst du dir zufällig ein Stück Backwerk holen? Also, so rein zufällig?“ Ein paar Stunden und mehrere Kuchenübergaben später und ich hab das Ganze auf eine zumindest ansatzweise überschaubare Kuchenmenge heruntermanövriert. Nun, zum Glück hält er sich ja eine Zeit.

Das, oh Freunde, war allerdings nicht die einzige Kuchenherausforderung des Wochenendes. Denn es begab sich, dass meine Mutter am Freitag ihren 60iger gefeiert hat – und da musste natürlich auch eine Torte her, vorzugsweise im Geheimen gebacken. Zu diesem Zweck haben wir die Küche meiner Tante besetzt – dabei aber nicht bedacht, dass der Tantenhaushalt ein profund nicht-backiger ist und folglich die Ausrüstung mit Backutensilien eher mager. Es folgte eine Reihe von zunehmend verzweifelten Ablenkungsmanövern, mit denen wir Mama lang genug aus ihrer Küche manövriert haben, um zumindest die Wichtigsten Formen und Spritzbeutel klauen zu können – das glorioseste dieser Manöver war ein zwanzigminütiger und mit zunehmender Panik improvisierter Monolog meiner Cousine, über dessen Thema ich leider ‚Nie wieder reden darf, nie, nie, NIE. Auch nicht in deinem Blog. Nirgendwo. Wir schweigen darüber. Wir erzählen niemandem davon. Auf ewig.‘
Es würde eine mutigere Frau brauchen, als ich es bin, um sich wissentlich den Zorn meiner Cousien zuzuziehen. Also schweige ich gehorsam über den genauen Inhalt des Monologs – es möe euch das Wissen reichen, dass Jo und ich uns währenddessen im Hintergrund hilflos vor unterdrücktem Lachen am Boden gewälzt haben und es ein absolutes Wunder ist, dass wir am Ende unentdeckt und mit Spritzbeutel aus der ganzen Sache rausgekommen sind.

Die Feier selbst war, wage ich zu behaupten, ein Erfolg, und die Mutter vergnügte sich angemessen, umgeben von einem treuen Hofstaat von Freunden, Untergebenen und Bewunderern, wobei die Grenzen da natürlich fließend sind. Haupt-Geburtstagsgeschenk war eine Patchworkdecke, die meine Cousine ihr genäht hat – und wo jedes Stück Stoff von einem der Anwesenden bestickt worden ist. Folglich sind schon wochen vorher Kuverts mit kleinen Stoffstücken durchs ganze Land geschickt worden, sind in der ganzen Bekanntschaft heimlich Stickrahmen und Garnreste gedealt worden wie Diamanten, fanden bei Familientreffen und Saunastammtischen geflüsterte Gespräche über Kreuz- und Rückstich statt, als gäbe es kein morgen. Vor allem herauszustellen ist hierbei im übrigen der Elan, mit dem sich manche der männlichen Teilnehmer hinter die Aufgabe geklemmt haben – nie wieder werde ich beispielsweise Aschachs Zahnarzt sehen, ohne dabei an eine filigrane Regenbogenforelle in neun verschiedenen Farbtönen zu denken, während das Eichhörnchen von Bruder Jo wahrscheinlich so manche neunzig Jährige Großmutter mit nadelnarbigen Fingern in Tränen der Ehrfurcht ausbrechen lassen würde.

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3 Antworten zu Von Kuchen, noch mehr Kuchen und einem Eichhörnchen

  1. dschidschei schreibt:

    Ähm…welche Cousine genau?

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Die, die nach Dachsberg gegangen ist, aber nicht unseren Nachnamen teilt.

  3. dschidschei schreibt:

    Dachte schon, die noch in Dachsberg ist und deinen Nachnamen teilt.

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