Der Papst gibt mir recht

Mein Bruch mit der katholischen Kirche begann, als ich sieben war. Und zwar genau in dem Moment, in dem mein Religionslehrer der Klasse erklärt hat, dass Tiere nicht in den Himmel kommen – „Nein, Sarah, auch nicht deine Katze.“
Nun, ihr kennt mich. Ich habe diese Neuigkeit natürlich ohne Widerspruch hingenommen als die Weisheit derer, die älter sind als ich und habe einfach nur fromm genickt und… ja. Genau.

Die nächsten anderthalb Semester lang begann so gut wie jede Religionsstunde damit, dass Klein-Sarah ihre Hand hebt. Der Lehrer, der trotz paradiesischer Fehlinformation, eigentlich ein netter Mensch ist, seufzt und fragt, was ich will. Klein-Sarah teilt mit, dass sie jetzt gerne noch einmal auf die Sache mit den Katzen im Himmel zurückkommen möchte, weil sie das Gefühl hat, wir hätten das noch nicht angemessen ausdiskutiert. Der Lehrer seufzt noch tiefer und lässt sich tatsächlich noch einmal auf die Debatte ein, weil er genau weiß, dass ich vorher ohnehin keine Ruhe geben werde. Irgendwann beginnen meine Klassenkameraden, Spielkarten und Hausaufgaben in den Religionsunterricht mitzubringen, weil sie wissen, dass die ersten fünfzehn Minuten jeder Stunde aus nichts anderem bestehen wird als aus zähem verbalen Ringen um jede Pfote, die jemals potentiell das Himmelstor durchschreiten könnte. Zu einer Einigung sind wir nie gekommen, weil der Lehrer irgendwann in eine andere Klasse versetzt wurde.
Es hat danach noch ein paar Jahre gedauert, bis ich an diversen anderen Aspekten des Konzepts ‚Organisierte Religion‘ meine Zweifel bekam, aber eines war mir damals schon klar: ein Paradies ohne Schnurren und warmes Fell, das kann mir herzlich gestohlen blieben.

Jetzt, neunzehn Jahre später, gibt der Papst mir hochoffiziell recht:
http://www.inquisitr.com/1657599/pope-francis-all-animals-go-to-heaven/

Ich vermute, dass mein endgültiger Kirchenaustritt neulich den Vatikan doch härter getroffen hat, als sie öffentlich zugeben. Ich erkenn doch einen Bestechungsversuch, wenn ich ihn sehe.

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Eine Antwort zu Der Papst gibt mir recht

  1. Leonardo schreibt:

    Dazu muss man ergänzen, dass Sarah nicht vor 60 Jahren sieben war. Insofern ist es schon sehr seltsam, dass der Religionslehrer so genau wusste, wer den Himmel bevölkert und wer nicht.
    Aber auch heute ist es noch relativ schwierig zu sagen, wer wirklich dort ist bzw. nicht dort ist. Angesichts der unberechenbaren göttlichen Barmherzigkeit dürfen wir uns selbst bei Hitler nicht ganz sicher sein, ob er dort ist oder nicht. Sicher sind viele Katzen aber „würdiger“ als er.

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