Von der Schönheit einer Katzenstirn

Aus einer mail an einen Freund…

„Weißt du im Übrigen, wo mir als erstes aufgegangen ist, wie willkürlich und erfahrungsgeprägt Schönheitsideale sind? Bei Katern. Nach Ramses Tod wollte ich ja unbedingt eine Maine Coon, wegen ihrer Intelligenz und ihres Charakters. Das einzige, was mich ein wenig zögern hat lassen, war die ausgerechnet ihr Äußeres: grad die Kater bekommen ja oft sehr bullige, charakterstarke Köpfe, irgendwas zwischen Löwe und Ochse. Was denn auch sonst, bei der größsten domistizierten Katzenrasse überhaupt?
Mein katziges Schönheitsideal hingegen war geprägt von den zarten Puppengesichtern von Rhea und ihren Nachfahren, also haben mich die Main Coons eher irritiert und ich hab bewusst nach einem genetischen Stamm gemäßigerten Schädelformen gesucht. (Ist mir nur bedingt gelungen – ich meine, allein schon Schlomos Großmutter hat einen Kopf, auf den die durchschnittliche Berglöwin stolz wäre.)

Und dann war da in der Zwischenzeit ein Jahr mit Schlomo, einer so unglaublich freundlichen, intelligenten und humorvollen* Kreatur, dass man ihn einfach nur lieben könnte. Und du hast Fotos von ihm gesehen – dazu war der einfach auch noch berückend schön, mit diesem Sturmwolkenpelz und den Pinselohren und allem.
Schlomo also stirbt und reißt uns allen Herz heraus und ich schaue zuerst einmal ein paar Monate gar keine Katzen mehr an, weil es zu weh tut. Aber irgendwann war’s dann halt so weit, dass ich mich doch wieder auf die Homepage der Züchter gewagt haben – weil wir uns in der Familie einig sind, dass wir wieder eine Katze brauchen, und zwar auf jeden Fall wieder eine Maine Coon – und hab dann eine Stunde lang ausgerechnet die Kater mit den bulligsten Schädeln angehimmelt, die mit der breitesten Stirn und dem stärksten Kiefer.

Also hat dieser kleine Kerl, dieses nicht einmal ganz ausgewachsene Katerchen, es doch tatsächlich geschafft, mein Katzenschönheitsbild komplett auf den Kopf zu stellen. Komplett. Und das sagt schon einiges darüber, wie unsere Hirne so funktionieren, oder?

*Ja, ehrlich. Er hat uns Streiche gespielt und sich drüber amüsiert, ich hätt’s selbst nicht geglaubt, hätt ich’s nicht gesehen.“

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