Von drei Flaschen und keiner Eile

Die heutige Soko-Besprechung war im Café Hummel, was an sich noch nicht wirklich aufregend ist. Es sei denn natürlich, man bedenkt, dass das Café Hummel in der Josephstädterstraße ist und die Josephstäderstraße gleich neben der Strozzigasse liegt und in der Strozzigasse? Ja, in der Strozzigasse ist rein zufällig das Potstills, das beste Whiskyfachgeschäft Wiens. Das das geographisch so ist, dafür kann ich absolut nichts, und niemand wird wohl einem von harter Arbeit erschöpften Drehbuchling einen Vorwurf daraus machen, wenn sie nicht ganz auf ihre Schritte achtet und vor der Schwelle besagten Geschäftes steht. Und wenn sie dann schon einmal da ist, oh Leser – wer wäre stark genug, wer wäre abgeklärt genug, nicht einzutreten, für einen kurzen Moment zumindest? Eben. Ich bin für nichts verantwortlich, am allerwenigsten für die drei neuen Flaschen in meiner Whiskysammlung.

Erstaunlicherweise ist dieses Mal sogar ein Blend* dabei, nämlich der Stratheden. Beziehungsweise: sein Geist, denn die ursprüngliche Distille wurde 1926 dicht gemacht. Aber es gibt da ein glorioses Projekt namens „The Lost Distillery Company“, das versucht, längst verschwundene legendäre Whiskys nachzubasteln, mit viel Recherche in damalige Herstellungsprozesse und ähnliches. Falls jemand mehr über ihren Prozess wissen will, auf der Homepage findet sich dazu einiges: http://www.lost-distillery.com/pages/about-lost-distillery-company
Das Endergebnis ist ein Whisky, der zumindest hoffentlich so schmeckt wie vor mehreren Generationen. Ihr werdet verstehen, warum ich nicht ohne eine Flasche davon heimgehen konnte.
Die anderen beiden sind ein wenig alltäglicher – eine Singlecaskabfüllung von einem 15-jährigen Daluaine und eine Flasche von meinem persönlichen Lieblingswhisky, dem Auchentoshan Three Wood.**

Der wirkliche Reiz aber war das Geschäft selbst und sein Team – ich bin bis jetzt nicht sicher, welche der anwesenden Herren Verkäufer waren und welche einfach nur zufällig anwesende Freunde des Hauses, weil beim Beratungsgespräch jeder mal seine Meinung abgegeben hat, mit großem Enthusiasmus und tiefem Verständnis für das Thema. So hab ich heute zum Beispiel einiges darüber gelernt, warum der Macallan einfach nicht mehr das ist, was er einmal war, oder dass weil es mittlerweile sauschwer geworden ist, gute Sherryfässer für die Lagerung aufzutreiben. (Und folgich auch und das eigentlich jeder Whiskyfan die moralische Verpflichtung hat, gelegentlich Sherry zu trinken, um den Nachschub zu gewährleisten.) Es war absolut faszinierend, der Enthusiasmus ansteckend und die Kostproben reichlich – genau meine Vorstellung von einem wohl investierten Nachmittag.

Mein Lieblingsmoment kam, als ein älterer Herr das Geschäft betrat, um eine Bestellung abzuholen. Da ich an der Theke noch tüchtig mit kosten und beraten-werden beschäftigt war, wollt ich ihm den Vortritt lassen.
„Bitte“, sag ich: „Bei Ihnen geht’s schneller.“
Und er schüttelt nur lächelnd den Kopf: „Danke, aber nicht nötig. NIEMAND, der hier reinkommt, hat es eilig.“

Und wenn das keine unterstützenswerte Philosophie ist, oh Freunde, dann weiß ich auch nicht.

*also einer, der aus verschiedenen Whiskys zusammengepanscht wird, gelegentlich noch unter der Zugabe von anderem Alkohol und Farbstoffen – im Gegensatz zum Single Malt (reiner Whisky aus einer einzigen Distille) und Single Cask (aus einem einzigen Fass)

** Das Three Wood steht dafür, dass der Whisky hintereinander in drei verschiedenen Fässern gereift wird, zuerst Eiche und dann zwei verschiedene Sorten von Sherryfässern. Ich hab den Auchentoshan vorletztes Jahr in Edinburgh als meinen Favoriten entdeckt und dann in einem überfüllten, extrem lauten Pub versucht, mir vom Barkeeper die richtige Aussprache beibringen zu lassen. War etwas kompliziert.

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