Von Schildmaiden und Rittersfrauen

Ich hab gestern folgendes Video und Kommentar auf Facebook gepostet:

Vor allem ab Minute fünf faszinierend, nämlich das, was ich schon immer sag: nämlich dass der Mangel an historischen Kriegerinnengräbern vielleicht weniger daran liegt, dass es keine gab – sondern dass jedes Kriegergrab lange Zeit automatisch als das eines Mannes klassifiziert wurde.

Woraufhin jemand (hallo, Vater!) mich halb im Scherz fragte, was es denn damit auf sich hat, dass ich seit längerer Zeit weibliche Krieger mit Vehemenz in die Geschichte hineinreklamiere. Müsse man sich Sorgen machen?

Nun, die einfachste Antwort hätte wohl etwas damit zu tun, dass ich überzeugte Feministin bin, die sich für Geschichte und Kampfsport interessiert – also ist das ein naheliegendes Hobby. Oder ich könnte etwas darüber sagen, dass das eine von den Gruppen ist, die in der Weltgeschichte am häufigsten geleugnet worden ist, im Nachhinein verschwiegen – gemeinsam mit weiblichen Poeten, weiblichen Schriftstellern, großen weiblichen Herrschern.

Aber es ist in Wahrheit noch simpler. Ich poste diese Dinge, jage diese Geschichten, für mein zehnjähriges Selbst. Für das Mädchen, das in allen Büchern über große Krieger und Helden gelesen hat – dass aber für die HeldINNEN in die Fantasyliteratur ausweichen musste*. (Mal von Jeanne D’Arc abgesehen, und die gilt nur dann, wenn man seine heroischen Vorbilder gerne ein bisschen gaga hat.) Kriegerinnen, sagte mir das Geschichtsbuch, mutige Frauen, die kämpfen – das ist was für’s Märchen. Oder seltsame, seltene Einzelfälle, Freaks, anormal.

Wisst ihr, was für ein Aha-Moment war, als ich irgendwann als Erwachsene begann, da tiefer zu graben? Und auf Namen stieß, Namen über Namen über Namen, aus vielen Epochen, aus verschiedensten Ländern – weil sie in Wahrheit immer da war, die Kriegerinnen?

Also sammle ich diese Geschichten, und erzähle sie meinem zehnjährigen Selbst. „Schau hin“, sag ich mir: „Sie waren immer da. Es hat lange Zeit niemand zugegeben, sie sind verschwiegen worden – aber sie waren genau so mutig, sie waren genau so unerschrocken, und sie waren da.“

*und vor allem Tamora Pierce bis ihr Lebensende in tiefer Schuld verbunden sein wird, für die Ritterinnen Alanna und Kel. Und dass Mulan (trotz ziemlich eklatanter historischer und anthropologischer Fehler) mein absoluter Lieblingsfilm von Disney war, ich ihn bis heute noch alle paar Jahre mal anschaue und die Lieder mitsingen kann, dass muss ich nicht erwähnen, oder?

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