Von Hasen und Füchsen

Nun, eigentlich sollt ich grad an einem Exposé arbeiten und mich nicht hier aufpudeln. Aber hat nicht lange ins neue Jahr gedauert, bis mich was Politisches wieder genug aufregt, dass ich um eine gewisse Aufpudelei einfach nicht herumkomme, und sei es nur meines Blutdrucks wegen. Ich warne vor: Profanität folgt.

Ich nehme mal an, ihr habt alle die Nummer am Kölner Bahnhof in der Silvesternacht mitbekommen. Wenn nicht, dann hier die Kurzfassung:

– Spontane Menschenmenge von etwa 1000 besoffenen Idioten rottet sich in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof zusammen

– dem gegenüber stehen (nach vehementen Sparmaßnamen des Innenministeriums) ungefähr drei ein kleiiiin wenig überforderte Polizisten

– viele Frauen sind in der Menschenmenge gefangen und kommen nicht raus

– das nutzen etwa 50-160* phänomenale und (meiner bescheidenen Meinung nach) kastrationswürdige Wichser von offenbar meist nordafrikanischer Herkunft aus, um besagte Frauen zu bestehlen, sexuell zu belästigen oder zu vergewaltigen

– weitere phänomenale Wichser meist zweifelhaft europäischer Herkunft wiederum schwingen sich daraufhin spontan zu überzeugten Frauenrechtlern auf und donnern gegen den garstgen Muselmanen im allgemeinen, sicherheitshalber auch gegen die mehreren hunderttausend Flüchtlinge, die in der Silvesternacht nicht damit beschäftigt waren, Frauen zu bestehlen, sexuell zu belästigen oder zu vergewaltigen. (So es da überhaupt eine Schnittmenge Flüchtlinge/Täter gibt, was immer noch unklar zu sein scheint.)

– und am Ende sitzt dann die Kölner Oberbürgermeisterin noch ganz klug einen drauf, indem sie jungen Frauen empfiehlt, fürderhin von Fremden doch ‚eine Armlänge Abstand‘ zu halten. Weil, obviously, Sexualstraftäter vor Ort mit dem Asphalt verwachsen sind und nur wie Anemonen mit ihren Ärmchen nach ihrer Beute haschen können. Oder was in die Richtung.

Die Wichserquote in der gesamten Nummer ist also insgesamt ziemlich hoch und die Gemüter kochen entsprechend. Meine Meinung zu dem Ganzen kann man sich vorstellen, sie besteht unter anderem darin, dass ich vor Verzweiflung über die Menschheit etwa eine Stunde täglich vor einer Wand stehe und mit dem Kopf dagegenschlagen möchte. Sexismus und Rassismus – immer so eine von meinen absoluten Lieblingskombis, ihr wisst schon.
Es gibt einen ganzen Haufen Aspekte in diesem ganzen Clusterfuck, über die man hier schreiben könnte. Ich möchte aber vor allem zwei allgemeine Bitten an die Welt richten. Nicht, dass mir jemand zuhört, aber einfach, dass ich’s nachher gesagt hab.

Sarahbitte A) Wenn wir jetzt sämtliche Asylanten für die Sexualstraftaten von ein paar einzelnen Arschlöchern verantwortlich machen, dann wäre es nur fair, wenn wir auch sämtliche Deutsche und Österreicher für die Taten von jedem deutschen oder österreichischen Sextouristen verantwortlich machen, der nach Kambodscha fährt, um dort Minderjährige gegen ein Taschengeld zu pudern. Wie wär’s? Wär doch fair.

Sarahbitte B) Was die Armlängennummer und alle anderen entsprechenden Vorschläge angeht, dass Frauen doch einfach nimmer im Dunkeln auf die Straße gehen sollen oder nur in Gruppen bleiben oder wasweißich… liebe Welt, dir ist schon klar, was du jungen Frauen damit sagst? Du sagst ihnen: „Hab Angst.“
Du sagst ihnen: „Du bist Beute, du bist der Hase vor dem Wolf.“
Und du flüsterst ihnen zu, wieder und wieder: „Und die einzige Art, nicht gefressen zu werden ist, in dem du dich versteckst, dich zusammenkauerst im Bau. Und wenn dir was passiert, wenn sie dich erwischen… nun, dann bist du selber schuld, was warst du nicht vorsichtig genug?“
Und, liebe Welt, weißt du, was für ein verdammt gefährliches Ding das ist, was du ihnen da eindrillst? Dieses Opferdenken?
Nein, ich sag nicht: Bringen wir ihnen bei, sorglos in jede dunkle Gasse zu laufen, einfach, weil’s geht. Und sag auch nicht: wer Opfer wird, war wohl zu schwach, hat sich nicht genug gewehrt. Es gibt immer Situationen, in der man einen Kampf verliert – und ganz selten sogar solche, wo man ihn aufgeben muss, um zu überleben.***

Aber bringen wir ihnen um Himmels willen auch nicht bei, dass sie von vornherein Opfer sind. Hilflose Kreaturen, die sich nur klein zusammenkauern können und hoffen, dass der böse Wolf sie nicht sieht. Und wenn er es dann doch tun, wenn er sie erwischen würde – nun ja, dann wäre das Beute-Sein eben ihre Natur, und Gegenwehr sinnlos. Wie wär’s, wenn wir stattdessen ihnen erhobene Häupter antrainieren, Schläue von Füchsinninen geben, und im Notfall auch deren Zähne?

Was ich sagen will, mit haufenweise Tiermetaphern und noch mehr Grant: wie wär’s mit weniger großkotzigen ‚Verhaltensregeln‘ für Frauen und herablassende Ratschläge, wie sie sich besser fürchten können – und stattdessen mehr staatlich geförderte Selbstverteidigungskurse und ein Weltbild, in dem niemand, absolut NIEMAND sie gegen ihren Willen berühren darf, ohne zumindest mit der völligen Zerstörung seines Gemächts zu bezahlen?
Auch das wird sie nicht in jeder Situation schützen – siehe wieder Köln, wo die Täter die Frauen in Gruppen umzingelt haben, egal, welches Weltbild sie hatten und Kampf sehr schwer bis unmöglich war. Aber das ist dankenswerterweise ein Ausnahmefall, und unter den meisten Umständen, bei den meisten Tätern? Da wird ihnen selbstbewusste Gegenwehr wesentlich mehr Chancen bieten als jede gottverfluchte Armlänge.

So. Tobsuchtsanfall Ende.

*Berichte gehen da auseinander
** Aber die Frauen im Köln sind auch nicht kopflos in eine gefährliche Situation gerannt – sie waren in einer fucking Menschenmenge gefangen und hatten keinen Weg raus. Macht den ganzen Armlängenvorschlag insgesamt eine noch größere Frechheit als ohnehin schon, und das will mal was heißen.
***Und es ist lächerlich, dass ich es dazusagen muss, aber ich tu es trotzdem: das Opfer ist nie, nie, nie, NIE schuld. Egal, was es vorher getan, getragen, gesagt hat, ob es gekämpft hat oder fliehen wollte oder nur erstarrt ist vor Angst. NIE. Fucking niemals nie.

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Eine Antwort zu Von Hasen und Füchsen

  1. Mountfright schreibt:

    Hat dies auf schreckenbergschreibt rebloggt und kommentierte:
    Wutausbruch meiner Freundin Sarah zu „Armlänge“ und anderen Empfehlungen… Lesenswert.

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