Von Klein-Sarah und der Vogelhochzeit

Nachdem ich die Story neulich auf Facebook angeteasert habe, hier in voller Länge… die Mär von Klein-Sarahs erster Theaterrolle und warum das dann ein ganz kleines bisschen schief gegangen ist.

Nun begab es sich während meiner Volksschulzeit – zweite oder dritte Klasse, glaube ich – dass die Direktorin besagter Schule in Pension ging und eine große Abschiedsfeier für sie vorbereitet wurde. Inklusive diverser Darbietungen der Schüler selbstverständlich, wobei jede Klasse etwas vorzubereiten hatten. Die meine entschied sich (also, wurde entschieden, per Lehrerin) für ein Theaterstück namens ‚Die Vogelhochzeit‘. Das Werk war nur etwa fünf Minuten lang, schaffte es in dieser Erzählzeit aber mit unglaublicher dramatischer Verdichtung, ein ganzes Panoptikum tiefer Emotionen und Gewissenszustände darzustellen.

1. Der Vogelvater sitzt auf dem Ast und tschilpt sich einen
2. Die Vogelmutter taucht auf und fragt, ob das Lied nur für sie ist
3. Er bejaht
4. Sie setzt sich zu ihm auf den Ast*
5. Es findet ein kindgerechter Zeitsprung statt
6. Sie brüten ein Ei aus
7. Das Küken schlüpft und kriegt einen Wurm

Großes Drama, sag ich euch. Großes Drama. Nun, ich hab irgendwie die Rolle der Vogelmutter abgefangen, vermutlich, weil die Lehrerin mich nicht gut genug kannte, um das Gefahrenpotential dieser Entscheidung wirklich einzuschätzen. Nicht, dass ich mich nicht größtem Eifer ins Rollenstudium begeben hätte und gewillt gewesen wäre, alles zu geben, was die Kunst von mir verlangt. Das Problem war nur… der verdammte Ast.

Nun, wer mich im realen Leben schon mal gesehen hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass ich nicht gerade von hühnenhaftem Wuchs bin, um nicht zu sagen: ziemlich winzelig. Und das ist jetzt nicht grad ein neues Phänomen. In der Volksschule war ich ein Jahr lang das zweitkleinste Kind der Klasse, bis das kleinste in einem Akt von unglaublichem Zwergenverrat mit ihrer Familie in ein anderes Bundesland gezogen ist und mir diesen zweifelhaften Titel vererbt hat. Vermutlich fand die Lehrerin ihr Casting gerade deshalb besonders putzig, das Vogelmännchen war nämlich der mit abstand größte Knabe der Klasse, einer, der scheinbar jeden Wachstumsschub mit dem Ehrgeiz eines Olympiasportlers betrieb. Und der im Gegensatz zu mir eben nicht das geringste Problem hatte, auf den Tisch hinaufzukommen, der unseren Ast darstellte.

Bei den Proben war das auch für mich noch kein Problem – Vogelvater saß links, ich saß rechts, und noch ein wenig weiter rechts des Astes war ein kleines Tischchen, an dem ich mich diskret mit dem Fuß abstoßen konnte. Also tat ich genau das und machte mir nicht weiter Gedanken darüber, sondern konzentrierte mich drauf, den Text nicht zu vergessen.

Dann kam der große Tag: ganze Aula voll mit Lehrern, Schülern und Eltern. Hinten auf einem Ehrenplatz die gerührte scheidende Direktorin. Vorne unser Bühnenbild. Ich in voller Vogelmutter-Montur, inklusive Federmaske, die meine Mutter noch die Nacht davor gebastelt hat. Vogelvater tritt auf, tschilpt, dass es eine Freude ist. Vogelmutter tritt auf, fragt, ob das Lied nur für sie ist. Vogelvater bejaht… Und Vogelmutter stellt fest, dass Vogelvater auf DER RECHTEN SEITE DES ASTES sitzt. Also hab ich eben versucht, mich zu ihm auf die linke Seite zu setzen, aber da war nun einmal kein Tischchen zum abstoßen. Also bin ich nicht raufgekommen, auf den verfluchten Ast, sondern nur hilflos davor auf- und abgehüpft… und hab im übergroßen Astfrust ein wenig meine Rolle vergessen und zu fluchen begonnen.

Und wie ich geflucht hab, lautstark und wie ein sehr kleiner (und gefiederter) Seemann, mit allen Schimpfwörtern, die ich mit acht Jahren schon kannte. ‚Himmelarsch‘ auf jeden Fall, und „Gottverdammt!“ und „Mistmistmistmist!“ und einiges, was noch ein wenig deftiger war und das ich definitiv noch nicht hätte kennen sollen. Und das eben vor Eltern, Lehrern, Schülern und der sehr geehrten scheidenden Direktorin.

Bei der nächsten Schulaufführung „Der kleine Schneemann“ war ich dann die Mülltonne, mit einem Satz und absolutem Bewegungsverbot. Schien wohl allen sicherer.

*nudge nudge wink wink, nicht, dass ich das damals verstanden hätte. Aber Anzeichen eines wirklich tiefgründigen Werkes ist es ja nun auch einmal, dass es in jedem Rezeptionsalter neue Facetten auftut

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5 Antworten zu Von Klein-Sarah und der Vogelhochzeit

  1. Mountfright schreibt:

    Ich will eine Zeitmaschine.

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Ich bin ziemlich sicher, dass es noch irgendwo eine Videoaufzeichnung gibt, falls das was hilft. Sie ist nur vermutlich in der zweiten hälfte ziemlich verwackelt, weil meine Mutter vor lachen die Kamera nicht mehr grad halten konnte.

  3. frl e schreibt:

    dafür bewunder ich dich – ich leugne jegliche videoaufzeichnungen meiner kindheit und jugend 😀

  4. Mother Duck schreibt:

    Ich weiß was ich tue wenn ich das nächste Mal bei euch in OÖ bin. =)

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