Der kleine Spuk am frühen morgen

Okay…… das war spannend heute Morgen. Dass ich zu skurrilen Träumen neige, ist ja jetzt nichts neues – erst diese Woche hab ich nachts in einem trüben See nach einer abgehackten Hand getaucht, war der einzige verfügbare Zahnarzt während der Apokalypse Ted Cruz und die Wilde Jagd eine Bikergang, deren Anführer mir das Landkartenlesen beigebracht hat.

Heute aber war das irgendwie nimmer Stress genug, die normale Träumerei, also hat mein Hirn was ganz besonderes aufgefahren, so mit Special Effects und allem.

Hat harmlos genug begonnen, mit einem Traum über’s Training – eine Yogastunde, in der mysteriöserweise normale Liegestüz gemacht werden, aber wen stört’s. Die ersten paar gehen auch noch ganz gut*, aber plötzlich versagt meine Muskulatur total. Ich kippe nach vorne wie ein Karpfen auf Landgang, die anderen schauen mich verdutzt an. Die Trainerin fordert mich auf, weiterzumachen, aber ich kann nicht, kann mich nicht rühren, kann nicht einmal reden. Versuche die Lippen zu bewegen, aber nichts passiert.

Soweit, so blöd. Das war der Moment, in dem ich aufgewacht bin, womit die Sache eigentlich erledigt hätte sein können… wenn ich mich nicht immer noch nicht hätte rühren können. Ah, denke ich: Schlafparalyse. Kennt man ja. Ist ein völlig normales Phänomen, mit dem der Körper die Muskulatur während des Schlafs ruhig stellt, damit man nicht im Traum durch die Gegend wandert. Sehr vernünftig, eigentlich.

Um Wikipedia zu zitieren:
Zuweilen wird die Schlafparalyse am Übergang vom Wachsein zum Schlafen (hypnagoge Form) oder am Übergang vom Schlafen zum Wachsein (hypnopompe Form) bewusst erlebt und dann auch als Wachanfall bezeichnet.[1] Das Erlebnis ist durch völlige Bewegungs- und Reaktionsunfähigkeit und durch die Unfähigkeit zu sprechen oder auch nur den Atem willentlich zu steuern, charakterisiert.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafparalyse

Soweit, so gut – wenns nur das gewesen wär, wär ich eben ein paar Minuten still herumgelegen und hätte gewartet, dass sich das ganze löst. Blöd nur, dass der Artikel weitergeht…

Währenddessen können (Pseudo-)Halluzinationen aller Sinnesqualitäten (visuell, auditiv, taktil, olfaktorisch, gustatorisch) auftreten. Die Unfähigkeit sich zu bewegen sowie die begleitenden, oftmals furchterregenden Halluzinationen können stark angstauslösend wirken.

Den Halluzinationsteil hatte ich bis heute erst einmal so wirklich erlebt, als ich vor etlichen Jahren beim Aufwachen mal ein paar Minuten lang eine unsichtbare Katze im Arm gehabt habe. Das war damals sehr nett, heute hingegen… nun ja, die Halluzinationen waren zuerst nur auditiv, und zwar das Geräusch von einer Person, die durch die Wohnung geht. Zuerst durch den Gang. Dann durch’s Wohnzimmer. Dann in’s Schlafzimmer kommt… und ich liege da, mit dem Gesicht zur Wand, fast völlig sicher, dass es eine Halluzination ist, aber nicht zu hundert Prozent. Ich kann mich nicht rühren, kann kein Wort sagen, kann mich nicht umdrehen, um sicherzugehen.

Dann hat mein Hirn aber glücklicherweise den Bogen überspannt, in dem es zu der auditiven noch eine haptische Täuschung dazugegeben hat, nämlich die Finger der unsichtbaren Person, die meine Schulter packen. Das war verdammt lebensecht… aber gerade nicht lebensecht genug. Im lauf der nächsten paar Minuten – die unsichtbaren Finger immer noch in Schultern und Nacken – hab ich es dann nach und nach geschafft, mich aus der Starre zu lösen. In dem Moment, wo ich mich aufsetzen konnte, war der Spuk vorbei – das Restadrenalin hat mich aber durch die ersten zwei Tassen Tee des Tages begleitet.

Im Nachhineinfind ich die ganze Erfahrung natürlich vor allem extrem faszinierend, aber es wundert mich absolut nicht, dass das Phänomen in früheren Zeiten oft als Geisterspuk oder besuch eines Dämons gedeutet wurde. Jesus Christ on a Pogo stick, war das vielleicht gruselig…

*also, so gut wie bei mir auch in der Realität halt Liegestütz gehen, will heißen: erbärmlich

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3 Antworten zu Der kleine Spuk am frühen morgen

  1. inter123netzzoaw schreibt:

    ich kann mich an eine Situation in Südfrankreich, bei einem Campingurlaub während der Studienzeit erinnnern, da hatte ich einen ähnlich erschreckenden Wachtraum: Neben mir oder direkt hinter mir hörte ich die schrillen Schreie einer Frau, die offensichtlich ermordet wurde. Absolut realistisch und deutlich und ich war ebenfalls vollkommen unbeweglich. Erst nach einer Weile konnte ich die Starre irgendwie abschütteln und aus dem Zelt krabbeln, um festzustellen , das weit und breit kein Mensch zu sehen war. Wohl familiär ??

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Brrr…. deine Story klingt auch nicht ohne. Was ich gelesen hab tritt sowas anscheinend wirklich teilweise familiär gehäuft auf, würd also passen. Genetik ist was feines… 😀

  3. Pingback: Morgendlicher Spuk, die Zweite | Der Guppy war's und nicht die Lerche

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