Dschingis Khan

Nachdem mein bester Freund stets besorgt um mein Seelenheil ist, hat er mich vor einiger Zeit mit einem der größten musikalischen Wunder der siebziger Jahre bekannt gemacht. Einer Band, die heute noch in aller Munde wäre, wenn aller Munde nicht… uhm… besseres zu tun hätten.

Name der Band und Name ihres größten Hits sind erfreulicherweise synonym, also muss man sich weniger merken. Was gut ist, weil man von diesen Glitzerhemden eh viel zu sehr abgelenkt ist, um nebenher noch irgendwelche höhreren geistigen Prozesse am laufen zu haben. Sehet und staunet:

Nun sind die Texte dieser Band unfairerweise in den Ruch gekommen, nicht völlig historisch genau zu sein. Was natürlich völliger Nonsens ist, ein Beispiel für korrektere Geschichtsaufarbeitung wird man in der Literatur kaum finden. Um das zu beweisen, habe ich beschlossen, einen dieser Texte – eben das namensgebende LIed ‚Dschingis Khan‘ – einer tiefen historischen Analyse zu unterziehen. Razor hat sich zum Wohle der Gesellschaft bereit erklärt, dasselbe mit einem anderen Text zu tun, dem ebenso geschichtsträchtigen und nach wie vor hochaktuellen Wunderwerk „Moskau“. Werd ich dann hier verlinken.

Zuerst aber zu Dschingis Khan.

Bereit? Bereit.

Sie ritten um die Wette mit dem Steppenwind, tausend Mann (Haa, huu, haa)
Und einer ritt voran, dem folgten alle blind, Dschingis Khan

Da fängt’s schon an. Böse Zungen könnten jetzt natürlich behaupten, dass tausend Mann ein winziges bisschen – also, ein ganz winziges bisschen – wenig sind für das Heer des größten Reiches, das in der Geschichte der Menschheit je existiert hat. Das ist schon wahr, aber es behauptet ja auch niemand, dass es sich bei besagten tausend Mann um Temüjins gesamtes Heer gehandelt hat. In Wahrheit bezieht sich diese Textzeile auf einen bestimmten Zwischenfall im Jahre 1187, als Ghengis Khan eines Abends noch ein wenig Hunger verspürte, er in der ganzen Jurte nichts zum Essen zu finden war. Er und ein paar seiner Freunde machten sich dann eben schnell auf, den nächstgelegenen Staat zu erobern, in der Hoffnung, dass dort noch irgendwo ein Schnellimbiss offen hatte.

Die Hufe ihrer Pferde durchpeitschten den Sand
Sie trugen Angst und Schrecken in jedes Land
Und weder Blitz noch Donner hielt sie auf

Wie gesagt, er war hungrig.

Dsching, Dsching, Dschingis Khan
He Reiter, ho Reiter, he Reiter, immer weiter!
Dsching, Dsching, Dschingis Khan
Auf Brüder! Sauft Brüder! Rauft Brüder! Immer wieder!

Man muss allerdings der Fairness halber hinzufügen, dass der Abend mit einem Lokalverbot für ihn und seine tausend Mann endeten, weil sie sich nicht wirklich gesittet benahmen. Als Reaktion darauf lies er die Imbissbude niederreißen, die Belegschaft in die Sklaverei verkaufen und auf den Ruinen eine gigantische Statue mit seinem Antlitz errichten. Alle waren sich einig, dass es ein denkwürdiger Abend war.

Lasst noch Wodka holen
Denn wir sind Mongolen
Und der Teufel kriegt uns früh genug!

Spitzfindige Geschichtsforscher haben an dieser Stelle angemerkt, dass Wodka nicht unbedingt das Standardgetränk der Mongolen wäre und „Lasst uns vergorene Stutenmilch holen, denn wir sind Mongolen“ wesentlich näher an den historischen Gegebenheiten wäre. Nun, das zeigt nur, wie oberflächlich die Recherche dieser angeblichen Experten oft ist, wie wenig sie in der Lage sind, die wahre Bedeutung eines Textes zu erfassen. Denn da steht natürlich nicht „Wir haben Vodka da, denn wir sind Mongolen“, sondern es ist ja schon IM LIED darauf hingewiesen, dass der Wodka geholt werden muss, es sich ganz offensichtlich um IMPORTwodka handeln muss. Ist das wirklich so schwer?

Im konkreten Fall konnte nachgewiesen werden, dass es sich beim meisten von Dschingis Khans Heerscharen konsumierten Alkoholika um den Vodka der Marke „Blut meiner Feinde“ handelte. Diese wurde in einer kleinen sibirischen Distille von Temüjins russischem Großcousin Igor Dschingiskovich Khansky hergestellt und schmeckte laut Zeitzeugen wie die „dreifach destillierte Pisse eines sibirischen Straßenköters“.

Beim erwähnten Teufel handelt es sich natürlich nicht um die christliche Figur des Satans, die Dschingis Khan und seinen Mannen unbekann gewesen sein dürfte. Stattdessen handelt es sich hier um einen Transkriptionsfehler, in Wahrheit ist die Sprache von Tei Fel Börte Khan, Dschingis‘ äußerst übellauniger Urgrußtanten. Die Zeile ist eine Erinnerung daran, dass es immer sein konnte, dass sie auf einen Überraschungsbesuch vorbeikam und mehrere Wochen blieb – und man daher das Leben bis dahin genießen sollte, solange es noch ging.

Dsching, Dsching, Dschingis Khan
He Reiter, ho Reiter, he Reiter, immer weiter!
Dsching, Dsching, Dschingis Khan
He Männer, ho Männer, Tanzt Männer, so wie immer!
Und man hört ihn lachen
Immer lauter lachen
Und er leert den Krug in einem Zug

Leicht hysterisches Lachen, vermutlich, wenn sich Tei Fel Börte gerade übers Wochenende angekündigt hatte.

Und jedes Weib, das ihm gefiel, das nahm er sich in sein Zelt
Es hieß, die Frau, die ihn nicht liebte, gab es nicht auf der Welt

Das ist die einzige Stelle, wo sich der Text einer kleinen Ungenauigkeit schuldig macht, denn nach langer Suche konnte damals tatsächlich eine Frau auf der Welt ausfindig gemacht werden, die ihn nicht liebte. Es handelte sich hierbei um eine gewisse Ms. Mabel Puddingsworth-Potterly, wohnhaft in Yorkshire, gab bei ihrer Befragung durch die zuständigen Erhebungsbehörden an, sie würde seit dreiundvierzig Jahren in harmonischer Beziehung mit ihrem Gatten Theodore leben und das würde ihr völlig reichen. Ihr Gatte sei zwar nur Bienenzüchter und kein Khan, dafür aber beteilige er sich jeden Tag beim Abwasch und sei freundlich zu Tieren, beides Qualitäten, die man bei einem Mann nicht unterschätzen dürfe.

Er zeugte sieben Kinder in einer Nacht

Nicht gleichzeitig, möchte ich hinzufügen, sondern nacheinander. Nach einer anfänglich etwas chaotischen Trial-and-Error-Periode lief die siebenfache Kinderzeugung sehr geordnet ab. Es gab da vor Dschingis Zelt eine kleine Warte-Jurte mit erbaulichen Magazinen, die Damen zogen Nummern und wurden der Reihe nach aufgerufen. Dschingis selbst fand das ganze wohl in den ersten Monaten noch sehr erbaulich, nach und nach aber begann die ständige Kinderzeugerei ihren Tribut zu fordern, körperlich wie selisch. Am Ende hoffte er jede Nacht nur noch sehnsüchtig darauf, dass er vor vier Uhr morgens fertig wurde und wenigstens ein bisschen Schlaf bekam, was aber nicht immer der Fall war. Manche Experten behaupten sogar, dass der aus dieser Praxis resultierende Schlafmangel – gemeinsam mit einer gewissen Dehydration durch den andauernden Samenerguss – es war, was ihn am Ende umgebracht hat. Wir werden es wohl nie so genau wissen.

Und über seine Feinde hat er nur gelacht
Denn seiner Kraft konnt keiner widerstehen

Ja, das war für seine Männer immer ein wenig irritierend, vor allem in der Schlacht. Sie hätten es von Zeit zu Zeit sicher gerne gesehen, wenn der Khan auch gekämpft hätte, anstatt nur kichernd auf seinem Pferd zu sitzen und Witze über die Schnurrbärte des Feindes zu reißen. Auf der anderen Seite eignete er sich so hervorragend als Ablenkungsmanöver und hob die Stimmung der Truppen auch noch im blutigsten Gemetzel durch seine andauernde Heiterkeit. (Und seine erstklassige Stimmimitation der gegnerischen Befehlshaber, für die er ein echtes Talent hatte.) Irgendwann fanden sich Dschingis Khans Männer schulterzuckend damit ab, stellten während der Schlacht einfach einen Extratrupp zum Schutz ihres daueramüsierten Feldherren auf und holten die Kosten mit einem monatlichem Kabarettabend wieder herein.

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2 Antworten zu Dschingis Khan

  1. Mountfright schreibt:

    Ooookay, das ist verdammt gut vorgelegt. Sehr stimmig und logisch, das. Ich werde mich sehr anstrengen müssen. 😀

  2. inter123netzzo schreibt:

    Nun, das alles habe ich nicht gewußt.

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