Sechs Filme, durchwachsenes Ergebnis

Bei Razor und Familie zu Gast, wie fast jedes Jahr zum Fantasy Filmfest. Die Filmauswahl ist heuer allerdings leider ein klein wenig mau. Von den bisher gesehenen Filmen hat mich nur einer so wirklich beeindruckt, das war „The Girl With All The Gifts“. Selten einen Zombiefilm gesehen, der so viel Schönheit in seinem Material findet.* Von den anderen war einer („Level Up“) äußerst unterhaltsam und mit göttlich gecasteten Nebendarstellern, während der iranische Beitrag („Under The Shadow“) storytechnisch solides Mittelmaß war, aber kulturell und historisch interessant und mit einer Hauptfigur, an der ich von Szene eins an dran war.

Die anderen drei… naja…

„The Ones Below“ ist so dermaßen vorhersehbar, dass Michael und ich uns dreißig Minuten in den Film schon gegenseitig das Ende prophezeit haben. Die vollständige ENDSZENE, wohlgemerkt, samt letztem Dialogsatz. Für etwas, dass das Programmheft als versierten Psychothriller, der es schafft, das Gefühl wachsender Bedrohung ins Unerträgliche zu steigern und der immer wieder mit subtilen Wendungen verblüfft ankündigt, ist das vielleicht ein ganz kleines bisschen enttäuschend. Aber gut, enthielt David Morissey, und dem schau ich immer gerne beim spielen zu.

Dafür beweist der Heist-Thriller „To Steal from a Thief“ die alte Drehbuchweisheit, dass es in erster Linie um die Figuren geht – halt als Negativbeispiel. Der Film verabsäumt vollkommen, mir seine bankraubenden Hauptdarsteller in irgendeiner Form vorzustellen oder gar nahezubringen, folglich ist es mir auch komplett blunzen, ob sie aus der Nummer lebend rauskommen oder nicht. Der Plot selber war eigentlich solide, bisschen Gewalt, bisschen Politik, was man sich halt so wünscht. Aber hilft halt alles nicht, wenn ich an keine einzige der agierenden Figuren herankomme und folglich von all dem so berührt bin wie von einer dramatisierten Lesung aus dem Wiener Telefonbuch, Buchstaben D-H.

Und was das Teenager-Horror-Coming-Of-Age-Dings „Don’t Grow Up“ angeht… je weniger wir drüber reden, um so besser, vermute ich. Der war nicht einmal interessant genug, um schlecht zu sein, sondern einfach nur… nun ja, unwichtig. Ein Schluck Wasser von einem Film, mit einem dünnen Plötchen und so blassen Charakteren, dass man fast durch sie durch in die Landschaft schauen kann. Was vermutlich eh besser gewesen wär, weil die Landschaft zumindest großartig war.

*Michaels ausführlichere Besprechung findet ihr hier: https://schreckenbergschreibt.com/2016/09/04/schreckenbergschaut-fantasy-filmfest-2016-2-pure-schoenheit/

Werbung
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Sechs Filme, durchwachsenes Ergebnis

  1. Mountfright schreibt:

    Wir sind uns da im Urteil ja recht einig… aber mit Dir macht selbst das ansehen dünner und vorhersehbarer Filme Freude. Und wir haben ja noch welche vor uns… 😉

  2. J. R. Hermes schreibt:

    Wünsche noch spannende Tage und viel Spass.

    @Wiener Telefonbuch – da gabs doch tatsächlich mal was: http://www.espressorosi.at/konzerte/1993/willi_10_12_93.html

  3. Eli schreibt:

    @ The Girl With All The Gifts, freut mich weil ich Karten beim /Slash dafür habe 🙂

    @Wiener Telefonbuch zum Eintrag „V“ gibt es die Telefonbuchpolka:
    https://www.youtube.com/watch?v=yGVhLSF-25c ein ausschnitt mit dem arg grinsenden Georg Kreissler
    http://www.songtexte.com/songtext/georg-kreisler/telefonbuchpolka-43c21f7b.html

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..