WAHL-VERBAL-WERKZEUGKASTEN NR. 5

„Das freundliche Gesicht der FPÖ“ und „Der Gemäßigte Rechte“

Hofer geht momentan auf Kuschelkurs und schafft es, sich auch gemäßigten Wählern als wunderbares Bundespräsidentenmaterial zu verkaufen. Er ist der gemäßigte Rechte, den auch Leute guten Gewissens ankreuzen können, denen Strache und seine Ansichten zu extrem sind.

Nur: das ist eine absolute Täuschung. Hin und wieder verrutscht ihm ja schon mal die Maske – wie etwa damals bei der Aussage: „Sie werden sich wundern, was alles gehen wird.“ Mich zumindest gruselt dabei. Also – was ist wirklich dran an der rechten Gesinnung des Herrn Hofers? Wie gemäßigt ist er wirklich?

a) Da ist natürlich die Kornblumensache, die eignet sich aber vermutlich höchstens als Einstieg in das Thema funktioniert. Falls es dennoch aufkommt, hier die Fakten.
– Norbert Hofer trug 2013 zur konstitutionierenden Sitzung des Nationalrats eine Kornblume im Revers. Was ja harmlos wäre, wenn die Kornblume nicht auch von 1933 bis 1938 in Österreich ein Erkennungszeichen der damals verbotenen Nationalsozialisten gewesen wäre. Er selbst behauptet, er möge einfach die Farbe.

Eindeutiger ist da schon …

b) Die Burschenschaft Marko-Germania Pinkafeld, der Hofer seit jungen Jahren treu ist. Und von der er sich mehrmals sehr dezidiert NICHT distanziert hat. Die is schon heftiger, und vor allem: heftig völkisch.

Aus der Analyse des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes:

An anderer Stelle wird von Rücker die „ausdrückliche Verpflichtung jedes Burschenschafters“ beschworen, „sich für die freie Entfaltung des deutschen Volkstums ein[zu]setzen (…) Unbeschadet ihres Bekenntnisses zum selbständigen Staat Österreich sieht die Burschenschaft das deutsche Vaterland unabhängig von bestehenden staatlichen Grenzen“
Konsequenterweise „lehnt die Burschenschaft die geschichtswidrige Fiktion einer ‚österreichischen Nation‘ ab“, die „[s]eit 1945 […] in den Gehirnen der Österreicher festgepflanzt“ worden sei.
Quelle:http://www.doew.at/neues/keine-beruehrungsaengste-mit-dem-begriff-deutsch

Okayyyy… also heim ins Reich, Österreich ist eine Fiktion, aber er würd gerne trotzdem Bundespräsident dieser Fiktion sein? Super. Total vertrauenswürdig. Ich wollt immer schon mal einen Präsident, der ned einmal an das Land glaubt, dass er vertritt.

Und wenn Worte nicht reichen, um zu belegen, wie die drauf sind, dann vielleicht Taten:
„Im Jahre 1996 folgte die „Marko-Germania zu Pinkafeld“ einer Einladung nach Graz und nahm an einem rechtsextremen Aufmarsch teil, an welchem sich unter anderem auch die Burschenschaften „Olympia“ und „Teutonia“ beteiligten. Beide Burschenschaften werden vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes als rechtsextrem bezeichnet.“
Quelle: http://mosaik-blog.at/norbert-hofer-deutschnationaler-als-bundespraesident/

c) Das Buch „Für ein freies Österreich. Souveränität als Zukunftsmodell“, Herausgegeben 2013 von Norbert Hofer. Mit Vorwort von Hofer und Strache.
Darin finden sich etliche ziemlcih gruselige Zitate, die direkt wie was aus einem NS-Familienplanungsmagazin klingen.
— „Der vom Thron des Familienoberhaupts gestoßene Mann sehnt sich unverändert nach einer Partnerin, die, trotz hipper den-Mädels-gehört-die-Welt-Journale, in häuslichen Kategorien zu denken imstande ist, deren Brutpflegetrieb auferlegte Selbstverwirklichungsambitionen überragt.“

Dann ist da noch eine reizende Stelle, die Asylwerber mit ‚Maden‘ vergleicht…
— „Durch einen rohen gewaltvollen Verdrängungsprozess, in dem wir jene, die uns ans Fell wollen, auch noch einladen, dies aus dem Inneren zu tun, wie die Wespenlarve die Made langsam von innen zerfrisst.“

Erinnern wir uns daran, wie das NS-Regime auch gerne ähnliche Metaphern gebraucht hat?

Oh, und Kinderarbeit finden wir auch sexy…
— „Landarbeit braucht viele Hände. Ist dies anders nicht zu gewährleisten … sind Kinder allzu willkommen.“

Goody! Ns-iger wird’s kaum. Experten (wieder unter anderem das Dokumentationsarchiv) stufen das Buch als rechtsextrem. Und während Strache sich nach der ersten medialen Aufregung distanziert und behauptet hat, er habe es vor dem Vorwort-Schreiben nicht mal gelesen*, steht Hofer weiter dazu.

FAZIT: Wer euch erklärt, Hofer habe mit rechtsextremen Gedankengut nichts zu tun und sei der gemäßigte Mann der FPÖ, die gezähmte Variante von Strache… der irrt. Der irrt sehr.

*wie man das halt so macht

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