Pflanzenliebe

Als ich klein war, gab es nicht weit von unserem Haus eine Gärtnerei, die einer alten Dame gehörte. Ich bin im Sommer oft dort aufgetaucht, mein Handwägelchen im Schlepptau, und habe mit meinem Taschengeldreichtum groß eingekauft: Strohblumen und Gerbera, Salatsetzlinge und jungen Kohlrabi, Vergissmeinnicht in rauen Mengen. Danach bin ich Stunde um Stunde im Garten gestanden, hab gebuddelt und gegossen und dann aufmerksam neben dem Beet drauf gewartet, dass das große Wachsen anfängt.

Die alte Dame war immer ganz entzückt, wenn sie uns Kinder gesehen hat – ihre erwachsenen Töchter haben hingegen ein wenig gequält dreingeschaut. Ich hab das als Kind nicht verstanden, sondern erst Jahre später, als ich mal durchgerechnet hab, wie viel Taschengeld ich hatte – und welchen Gegenwert an Grün ich dafür heimeschleppt hab. Die Töchter wussten einfach, dass ihre Mutter der eifrig herandackelnden Mini-Gärtnerin für ein paar Schilling einen halben Garten schenken würde, wieder und wieder, einfach, weil sie Kinder mochte.

Die alte Dame ist lange tot, die Gärtnerei gibt es nicht mehr und ich weiß nicht einmal noch einen Namen. Aber hin und wieder, wenn ich gerade eine Pflanzenlampe installier, einen Bonsai beschneide, wenn ich die Finger in frische Erde grabe und der Geruch mich glücklich macht – dann denk ich an sie, und bin ihr dankbar.

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Eine Antwort zu Pflanzenliebe

  1. Mountfright schreibt:

    Was für ein schönes Bild, danke. 🙂

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