Von Vorträgen und deutschen Liedchen

In einer gesünderen, vernünftigeren Welt würd ich ja wirklich nur über Pudding und Frühling und ähnliche Erfreulichkeiten schreiben. Nur: die Welt ist momentan eher ziemlich gaga.

Point in Case:
http://derstandard.at/2000053937689/Wirbel-um-Abbruch-von-Vortrag-an-Linzer-Schule-nach-FPOe

Kurzzusammenfassung: in einer Linzer Schule hält ein Experte einen Vortrag über Extremismus. Die FPÖ und Burschenschaften werden erwähnt. Sohn eines FPÖ-Nationalratsabgeordneten sitzt im Publikum, informiert seinen Herrn Papa. Der Herr Papa ruft bei der Schule an, macht Zoff, der Vortrag/die Diskussion wird abgebrochen.

Begründung?

„Es sei unter dem Titel Extremismus immer nur um die „Gefahr von rechts“ gegangen. FPÖ, Burschenschaften, Orbán, Trump oder AfD hätten aber alle mit Extremismus nichts zu tun, so Haider.

Okay, ich erspare mir jetzt, da detailiert zu widersprechen – ich glaube, das ergibt sich dem halbwegs denkenden Menschen aus jedweder gesunden Zeitungslektüre von selbst. Über Herrn Haider reg ich mich da nicht einmal so sehr auf, das ist nur das, was wir mittlerweile von der FPÖ gewohnt sind. Die Partei zündelt und hetzt, was geht – aber wenn sie sich selber angegriffen fühlen, dann sind sie die opferigsten aller Opfer. Und natürlich und gänzlich frei von jeder Schuld, moralisch jungfräulich, quasi, und mit rechtem Extremismus haben sie ja sowieso nichts zu tun. Eh.
Fast schlimmer noch finde ich das Verhalten des Direktors, der diesem Druck anscheinend nachgegeben hat. Wenn wir jetzt schon Angst machen lassen, den Mund verbieten, wo die Burschen nicht an der Macht sind – genau wie viel Widerstand haben sie zu erwarten, WENN sie jemals dorthin kommen? Dieser enorme Mangel an Rückgrat und Zivilcourage ist für mich persönlich hochgradig erschreckend.

Und was nun den Herrn Haider angeht, der einen Vortrag über Extremismus abbrechen lässt, weil die FPÖ mit Extremismus nichts zu tun hat… wollen wir vielleicht kurz einen Blick auf den guten Mann werfen?

https://www.meineabgeordneten.at/Abgeordnete/Roman.Haider

Besonders interessant find ich da seine stellvertretende Obmannschaft bei der Burschenschaft ‚Donauhort‘. Was ja an sich noch nicht aufregend wäre, früher oder später scheint es ja alle Blauen mal durch eine Burschenschaft zu schwemmen. Eine eigene Homepage hat der Donauhort nicht, aber bei ihrem Dachverband sind sie angeführt:

http://www.ldc-ooe.at/pcbdonauhort.html

Besonders bemerkenswert ist hier das aufgeführte Bundeslied: „Wenn alle untreu werden.“ Besser bekannt unter seinem späteren Namen, dem „Treuelied“. Als solches war es von des Führers Waffen-SS heiß geliebt und viel gesungen und galt als deren offizielle Hymne.

Also, wenn es ihm so dermaßen ein persönliches Anliegen ist, nicht mit Extremismus in Verbindung gebracht zu werden, dann wär’s vielleicht eine Idee,  auf das Trällern von Liedchen mit extremer Nazi-Konnotation zu verzichten? Also, nur so als Vorschlag?

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