ES IST EIN FENSTER!

Mir ist grad was aufgefallen – nämlich, dass ich im Mai hier mal von ‚mysteriösen Gründen‘ getönt hab, warum Küchenschränke aus meiner Küche verschwinden müssen, aber nie erklärt hab, was dahinter steckt.

Die Sache ist die, dass ich mich immer gewundert hab, warum der Architekt einer ansonsten wundervoll geplanten Wohnung der Meinung war, dass die Küche ein dunkles Loch sein muss, mit einem einzigen Fensterchen zu einem halbdunklen Lichthof.

Deprimierend, oder? Was hab ich Architektenmensch verflucht. Nun, stellt sich heraus, ich hab dem armen Kerl (der armen Dame, man weiß es ja nicht) mehrere Jahre lang bitter unrecht getan, was ich aber nicht erfahren hätte, wär nicht meine Tiefkühltruhe eingegangen.

Die verstarb also eines Tages (und riss, möchte ich hinzufügen, eine ganze gefrorene Ente mit sich in den Untergang, mit der ich eigentlich ein Dinner veranstalten wollte) und musste irgendwann ersetzt werden, weil ein Einpersonenhaushalt einfach nicht auf einen Satz eine ganze Packung Erbsen aufbrauchen kann. Ich meine, ich liebe Erbsen, ich halte sie für kleine grüne Majestäten unter dem Gemüse, aber ich hab meine Grenzen.

Also, Tiefkühltruhe recherchiert und festgestellt, dass es wesentlich umweltfreundlicher und stromsparender ist, wenn ich gleich auch noch den alten Kühlschrank mit austausche und ein Kombigerät anschaffe. Zu dem Zweck allerdings mussten dann einige der alten Schränke in der Küche weichen, weil das Teil etwas größer war als die zwei alten zusammen.

Und was fand sich hinter diesen Schränken, in bester Mysterymanier? Ein zugemauertes Fenster.

Die Oberlichte war immer noch da und halt zum Großteil hinter den Schränken versteckt, der Rest des Fensters durch Holzplatten verbaut und verputzt. Es führt hinaus auf den Gang, der wiederum Licht von gleich mehreren Fenstern bekommt. Hätte mir eigentlich längst schon was denken können, weil das gußeißerne Fenstergitter außen ja noch da ist, nur halt die ganze Zeit vor einer blinden Wand war.

Also habe ich erst einmal ausführlich frohlockt und dann zuerst meinen Vermieter kontaktiert – und dann noch einmal meine Brüder zum Besuch gebeten.

(Und ja, ich weiß, dass ich gutaussehende Brüder hab, und einer davon ist single. Just saying.)

Danach kam dann noch eine winzig kleine Kette von Restaurationsarbeiten – wie die Tatsache, dass es natürlich Altbauwände waren, die uns am liebsten in ihrer Gesamtheit entgegenkommen wollten und die der Grund sind, warum ich jetzt halbwegs verputzen kann. Oder lange Stunden mit Lacklöser und einer Farbspachtel, um den alten Lack von den Fensterrahmen zu kriegen, die wiederum in einem Aufflammen meiner (bis dahin nicht diagnostizierten) Sehnenscheidenentzündung und einer kleinen Stippvisite im Spital gemündet haben.

Dann war da der denkwürdige Abend, an dem Michi und ich die restlichen Schränke vor der Wand verschieben wollten, die es sich aber seit dreißig Jahren auf winzigkleinen, mürben Plastikbeinchen gemütlich gemacht hatten und donnernd in sich zusammengebrochen sind. Mördergetöse, aber keine Verletzten außer etwa einem Drittel meiner Teetassen. Danach dann ein Ikea-Besuch und NOCH ein Abend mit Michi, ich eine Wand in petrolblau streichend, er Ikea-Schrank-zusammenbauend, wir beide Harry Belafonte hörend. (O-Ton beim Anblick der Schrankeinzelteile ohne Bauanlteitung: „Das ist ein Nicht-Triviales Problem, und das sage ich dir als Quantenphysiker.“)

Danach war ich dann schon so im Renoviergroove und mir war alles egal, also hab ich gleich auch noch eine neue Arbeitsplatte besorgt, vierzig Zentimeter länger als die alte, Birkenholz – warme Farben, viel mehr Platz. Besondere Kudos hier an Razor, den bekennenden Ikea-Hasser, der dann doch einen Tag seines letzten Wienbesuchs geopfert hat, um das Teil mit mir zu besorgen und heimzubringen.

Und jetzt, das Ende vom Lied…

…sind sehr viel Platz und Licht und ein halber Freundeskreis, die das Wort ‚Fenster‘ nimmer hören können. Aber was hab ich Freude dran.

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Eine Antwort zu ES IST EIN FENSTER!

  1. Mountfright schreibt:

    Ja, ich hasse Ikea, habe aber allerwärmste Gefühle für Dich, also was soll’s. Außerdem lerne ich gerne neue Ecken von Wien kennen und fühle mich gut dabei, Dein Leben sicherer zu machen, indem ich Dich darauf hinweise, dass sich 50 Meter von der Stelle entfernt, an der Du gerne ungeschützt eine vierspurige Straße überquerst eine gut sichtbare Fußgängerampel befindet. 😀

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