Von Pflanzenfreunden

Es begab sich also, dass Sarah und Mother Duck wieder einmal in Schönbrunn spazieren gingen. Tun wir im Herbst gerne, letztes Licht vor dem Winter tanken und so. Und nachdem wir schon da waren, konnten wir natürlich auch mal schnell ins Palmenhaus gehen, wo ich traditionellerweise glucksende und quitschende Geräusche über diversen Farnen mache und meine beste Freundin mir skeptisch zusieht. (Der Fairness halber, sie versucht gerade, ihre Liebe zu Zimmerpflanzen zu entwickeln. Sätze wie „Aber ich mag es nicht, wenn sie zu viel wachsen!“ verweisen allerdings immer noch auf eine gewisse Zurückhaltung ihrerseits.)

Wir sind also nach geglückter Pflanzen-Beglucksung wieder auf dem Weg hinaus, als wir an einem kleinen Wald Ficus Benjamins vorbeikommen. Und an all diesen wunderschönen Ficussen… sind Preisschilder. Und zwar für ein paar lächerliche Euro, einen Preis, um den man solche wunderbaren Dinger NIE kriegt. Anscheinend verkaufen die dort hin und wieder den Überschuss aus ihren Gewächshäusern ab, oder Ficusse entstehen spontan aus leerer Luft und sie müssen sie loswerden, oder… ich weiß nicht, was du diesem baumigen Preiswunder geführt hat, es war mir auch in dem Moment komplett ideal.


Abb. 1.1. Unscharfe, aber äußerst glückliche Sarah

„Die Frage ist“, sage ich also, während ich um die Ficusse herumschleiche: „Ob ich den nach Hause kriege…“
Mother Duck zieht die Augenbrauen hoch. Sie kennt mich lang genug, um zu wissen, dass das kein OB ist, sondern nur ein WIE. Car To Go fiel aus, weil wir das Teil niemals untergebracht hätten. Taxi aus dem selben Grund – plus, das hätte die wundersamkeit des Preiswunders gedämpft, wenn ich zwar nur 15 für den Baum zahle, dann aber 30 für den Heimtransport.

Abb. 1.2. Mother „Ich bin größer als du, also trage ich“ Duck, in heroischer Baumtragmission

Fünfzen Minuten und einiges Geschleppe (hauptsächlich von MD) später stehen wir also in der Ubahn und versuchen, mein gigantisches Gebüsch während der Fahrt am umkippen zu hindern – als ich plötzlich durch die Blätter ein entzücktes Stimmchen höre: „EIN NEUER FREUND!“

Ich spähe um meinen halben Urwald herum und da steht ein kleiner Bub, der in den Händen ebenfalls eine Topfpflanze trägt. Eine winzig kleine halt. Und der spontan in diesem Moment beschlossen hat, dass meine Pflanze und seine Pflanze ganz offensichtlich Freunde sind und total glücklich, sich kennenzulernen. Eine sehr valide Theorie, also hab ich sie bestätigt. Begleitet wird der Kleine von drei Erwachsenen und einem etwas älteren Mädchen mit Brille, sechs oder sieben vielleicht. Entweder die Schwester oder Freundin des Kleinen, die ihm begeistert beipflichtet.

Beide Grünzeugse werden also ausgiebig bewundert und verglichen, er erzählt mir, dass er seine gerade erst neu bekommen hat und dass sie vielleicht „Weißi“ heißt, weil die Blätter so hell sind. Meine könnte ja Pflanzi heißen, oder Grüni. Wir einigen uns schließlich, ob ihrer Herkunft aus Schönbrunn, auf „Franz Joseph“. Da ihn der Ficus eindeutig fasziniert, breche ich für ihn einen kleinen Ast ab, damit er ihn ins Wasser stellen kann.

Ich: „Vielleicht bekommt er ja Wurzeln und du kannst ihn anpflanzen.“
Bub: „Oh ja! Und wenn ich groß bin, dann ist die Pflanze auch so groß wie deine! Und ich nehme ihn auf einem Rollwagerl mit in die Arbeit! Und dann stell ich ihn vor den Computer und der Baum macht meine Arbeit! Und alle Zweige tippen ganz schnell auf der Tastatur und ich muss gar nicht mehr arbeiten!“
Ich: „ERSTKLASSIGER Vorschlag.“

Es folgt noch weitere hortikulturelle Diskussionen, ausführliche Analyse der Unterschiede zwischen den Blättern seiner und meiner Pflanze und auch noch ein paar Überlegungen, ob man vielleicht die Äste von meinem Ficus für ein Windrad verwenden kann. Echte Expertengespräche, also. Als sie Aussteigen, erklärt mir der kleine mit großem Ernst: „In der U-Bahn trifft man immer so viele neue Freunde!“ Das Mädchen mit Brille fällt mir plötzlich um den Hals und drückt mich. Und dann ziehen sie davon, immer noch fröhlich über Zimmerpflanzen plaudernd. Danach muss ich mich kurz gegen eine Wand lehnen, weil ich vor lauter Süß kurz vorm Zuckerschock bin und vermutlich sonst zusammenrbeche

Zusammenfassend hab ich also heute Nachmittag:
– frische Luft bekommen
– einen gigantischen Ficus für einen Spottpreis erworben
– hab Mother Duck hingebungsvoll beim Ficustransport fluchen hören
– bin spontan von einem kleinen Kind umarmt worden.

Mit einem Wort, ich bin’s zufrieden mit der Welt.

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2 Antworten zu Von Pflanzenfreunden

  1. Alexander T. schreibt:

    Neue bewegung ? Free Plants vs Free hugs

  2. Eli schreibt:

    Ich kann das mit den Pflanzen in der Öffentlichkeit nur bestätigen. Hab‘ einen IKEA Sack voller Minzen mitgeschleppt hab‘ und dann spontan einen Kübel Erdbeerableger von einer netten Dame angeboten bekommen. Sagte, sie hätte zu viele Erdbeerpflanzen und wüsste nicht, wohin damit …

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