Zwetschgenröster

Einen Besuch am Bauernmarkt am Karmeliterplatz später und die chutney-Situation ist endgültig eskaliert. In der Küche türmen sich die Gläschen, und dabei hab ich weder mit dem Auberginen-Knoblauch-Chutney noch mit dem Kürbis überhaupt erst angefangen.
Momentan sitz ich aber am Boden der Küche und löffle ein Schüsselchen Zwetgschengröster. Der wird nicht eingekocht, sondern steht jetzt in einem großen Tupperwarecontainer im Kühlschrank, um die nächste Woche als Frühstück zu dienen.

Ich mag Zwetgschengröster, seiner zwetschgigen Köstlichkeit wegen, aber auch wegen der Erinnerung an meine erste Begegnung mit dem Gericht. Ich war vielleicht drei Jahre alt und meine Familie ist in den Urlaub geflogen. Ich saß neben meinem Vater, durfte aus dem Fenster schauen und fand das alles irre aufregend. Es gab (lang vor den Zeiten der Billigflüge und dem Packerl Soletti am Flug) Mittagessen, und zum Nachtisch kleine dreieckige Töpfchen mit Zwetschgenröster. Hatte ich vorher noch nicht und war so begeistert davon, dass mein Vater die Stewardess fragte, ob ich eventuell noch eins haben dürfte.
Die Dame brachte also ein ganzes Tablett mit dreieckigen Gebinden und der Plan war wohl, dass ich mir EINES davon nehme. Ich allerdings, im enthusiasmus meiner drei Jahre, hatte gerade eine neue Famosität entdeckt, die die Welt zu bieten hatte und war nicht willens, da halbe Sachen zu machen – also hab ich mit meinen kleinen Ärmchen das ganze Tablett abgeräumt und war die Zwetschgenrösterkönigin des Planeten. Also, zumindest so lange, bis die Erwachsenen mir Einhalt geboten haben, auf der Prämisse, dass es a) alle anderen vermutlich traurig gewesen wären, wenn sie keinen Zwetgschgenröster mehr bekommen hätten und b) es vermutlich etwas ungesund für ein Kleinkind ist, ihr Eigengewicht in Kompott zu futtern.

Ich denke gerne daran zurück, weil dieses Kind so absolut schambefreit war, was Essen angeht. Das war noch Jahre vor Übergewicht und Esstörungen, vor dem Jahr, das ich von 800 Kalorien am Tag gelebt hab. Lang vor der Zeit, in der es mir absolut unmöglich war, vor Fremden zu Essen (was mir heute manchmal noch schwer fällt).
Diese Kleine Sarah fand Zwetschegenröster toll und das war Grund genug, das auch die ganze Welt wissen zu lassen. Und während mir definitiv kotzübel geworden wäre, hätte man mich meine ganze Beute behalten lassen – die Kleine war schon auf der Richtigen Spur. Das ist enthusiastische Unbeschwertheit, die schamloser Begeisterung für alles, was die Welt zu bieten hat, die ich mir langsam wieder erarbeiten will. Und wenn ich euch erklär, wie geil der Zwetschgenröster in meinem Kühlschrank ist – dann ist das ein Teil davon.

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