Der Pirat, der in alle sieben Weltmeere pinkeln wollte – Teil 6

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DER ATLANTIK

Im Nachhinein betrachtet war die Sache mit der Queen nicht unbedingt die brillianteste Idee gewesen, die Alischa jemals gehabt hatte. Oh, natürlich, am Vorabend in der Taverne hatten sie alle sie toll gefunden, inklusive Norbert, der seinen Humpen gehoben und: „Wir werden alle sterben!“, gebrüllt hatte, dieses Mal aber auf enthusiastische Art und Weise. Eine bessere Gelegenheit, den Atlantik auf seiner Liste abzuhaken, gab es doch gar nicht! Eine Militärparade mit Queen Elizabeth direkt an der Küste! Und sie hatten immer noch genug Grog und Rum, um ihre Heldentat danach angemessen zu begießen! Und die ganze Crew hatte zufälligerweise ohnehin gerade volle Blasen, was daran lag, dass sie nicht mehr ganz so viel Grog und Rum hatten wie noch vor zwei Stunden! Es war, mit einem Wort, perfekt. Sie hatten sogar ein Lied darüber gedichtet, mit dem sie ihre Heldentat im Nachhinein besingen wollten.

Was sie in ihrem Enthusiasmus (und Vollrausch) nicht bedacht hatten, war das winzige Detail, dass es in dieser Szenario naturgemäß auch ein ganzes Heer verärgerter Engländer gab, die es nur ungern sahen, wenn man ihrer Queen vor die Füße wischelte. Aus unerfindlichen Gründen schien der sonst so legendäre englische Humor bei diesem Thema komplett auszulassen. 

Was in direkter Folge dazu führte, dass sie jetzt gefesselt in einem muffigen Keller saßen und durch ein Fensterloch beobachteten, wie draußen ein Galgen gebaut wurde. Das beständige Hämmern half Alischas Kopf auch nicht unbedingt, wo gerade die beiden Kopfschmerz-Klassiker ‚eine durchzechte Nacht‘ und ‚von wütenden Briten ordentlich eines auf die Mütze bekommen‘ ein fröhliches Duett sagen.
Er stöhnte und versuchte zum x-ten Mal durch enthusiastisches Zappeln seine Fesseln zu lockern, erreichte damit aber nur einen Krampf im rechten großen Zeh. Erfolgreiche Fluchtversuche sahen anders aus. Er ließ den Blick über seine Crew wandern, der durch seine Inkompetenz der sichere Tod bevorstand: Norbert, Black Molly, die beste Navigatorin dreier Kontinente, Fast-Nimmer-Jonny1, Damian der Messerschwinger, die Gebrüder Rodriguez2

Sie alle waren ihm treu gefolgt und würden nun mit dem Leben dafür bezahlen. Er wusste, dass sie sich zumindest eine ordentliche Entschuldigung verdient hatten. Alischa räusperte sich: „Leute, es tut mir leid. Ich, Alischa Salomonius Dorotheus Sherry, habe euch in diese Situation gebracht und ich…“

„… bin offensichtlich noch immer ein grauenhafter Schwätzer“, sagte eine Stimme von der Tür her. Alischa fuhr herum. Dort stand ein schlanker junger Mann, nur eine Silhouette im Gegenlicht, flankiert von mehreren schwer bewaffneten Wärtern. Erst, als jemand dem jungen Mann eine Fackel reichte und sie sein Gesicht erhellte, erkannte Alischa seinen Irrtum.


1. ehem. Beinahe-Johnny, aber nachdem er in einer Schlacht noch ein weiteres Ohr und eine Niere eingebüßt hatte, hatte er auf eine ehrenhafte Namensänderung bestanden. Alischa hegte immer noch den Verdacht, dass er auf Bitte seiner Mutter hin von ihrer in seine Crew gewechselt war, um auf ihn aufzupassen. Aber er konnte ihm nichts nachweisen und außerdem war Fast-Nimmer-Jonny ein zu exzellenter Koch, als dass er ihn von Bord hätte werfen können.

2Juan, Alejandro und Kai-Lorenz

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8 Antworten zu Der Pirat, der in alle sieben Weltmeere pinkeln wollte – Teil 6

  1. Mountfright schreibt:

    Hat dies auf schreckenbergschreibt rebloggt und kommentierte:
    Und auch bei Sarah und ihren Piraten geht es weiter. Ich mag die heutige Episode aus vielerlei Gründen, aber nicht zuletzt auch deshalb, weil ein Pirat namens Kai-Lorenz Rodriguez darin vorkommt.

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