Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 1

About: Geschichten für euch


Die Sonne verschwand gerade hinter dem Horizont und tauchte die Feste des Erstaunlich Dauerhaften Unheils1 in ein unwirkliches Rot. Zwischen den Zinnen raunte sich ein Schwarm Krähen Geheimnisse zu, während tief in den Eingeweiden des Schlosses der Dunkle Lord Salamacian II die Treppen zu seinem Laboratorium hinabstieg. Sein Weg führte ihn an den Statuen seiner Vorfahren: vorbei Lady Dorianda Bluthand, die Stammutter seiner Sippe; Fürst Holophernistopheles, der Zerstörer der Elfenlande; Malancia Malafei, die zu ihrer Zeit auf drei verschiedenen Kontinenten wegen schwarzer Magie und Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesucht worden war2….
Weiter und weiter erstreckte sich die Reihe von Salamacius‘ verruchten Ahnen und bei ihrem Anblick ging ihm jedes mal das verschrumpelte Ding in der Brust auf, das bei seiner letzten Vorsorgeuntersuchung nur unter Vorbehalt als Herz durchgegangen war.

Sein Laboratorium lag am Ende eines langen Ganges, hinter mehreren Falltüren, falschen Abzweigungen und einer strategisch platzierten Skorpiongrube. Die Tür selbst war mit insgesamt sieben Schlössern gesichert, von denen sich nur ein Einziges mit einem herkömmlichen Schlüssel öffnen ließ. (Ein altes, ehrwürdiges Ding mit fremdartigen Gravuren, das Salamacian stets an einer Kette um den Hals trug und nicht einmal zum Baden abnahm.) Eines der anderen Schlösser gab nur nach, wenn es mit dem Blut einer jungfräulichen Eidechse3 gefüttert wurde, während man einem dritten den wahren Namen des Monsters von Xys zuflüstern musste, bevor es sich entriegeln ließ. Alles in Allem dauerte der Prozess fast zwanzig Minuten.
Schließlich jedoch schwang die Tür mit einem Knarren wie einem letzten Seufzer auf und gab den Blick in Salamacians Heiligstes frei. Der Dunkle Lord lächelte zufrieden, trat mit wehendem Umhang ein … und erstarrte, als ihm mit einem Mal ein Hauch von Pinienfrische um die Nase wehte.

Jemand hatte die Dämonenkäfige ausgemistet.

Schon wieder.

Und das war nicht in Ordnung. Einfach. Nicht. In. Ordnung.









1Ursprünglich ‚Feste des Ewigen Unheils‘, bis eine Anzeige wegen Etikettenschwindel die damaligen Bewohner zu einer Namensänderung zwang, weil sie die absolute Ewigkeit der Unheils nicht zur Zufriedenheit des zuständigen Gerichtshofes nachweisen konnten. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch den Abgrund des ansatzweise grausigen Grauens und den Sumpf der verhältnismäßig unangenehmen Verdammnis.

2Und auf einem weiteren wegen dieser unleidlichen Sache mit dem Chamäleon und siebeneinhalb Kilo Schmelzkäse. Aber darüber sprach die Familie nicht gerne und die Details der ganzen Angelegenheit sind im Nebel der Geschichte verloren gegangen. Wahrscheinlich besser so.

3Fragt nicht.

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28 Antworten zu Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 1

  1. Mountfright schreibt:

    Hat dies auf schreckenbergschreibt rebloggt und kommentierte:
    Sarahs Geschichtenfeuer brennt schon – ab heute erzählt sie eine Geschichte für etwas ältere Kinder. Ab 10, würde ich meinen, bei Leseerfahrung auch jünger. Eignet sich auch wieder Ideal als Vorlesegeschichte (für die genannten Altergruppen und natürlich auch Erwachsene).

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