Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 2

About: Geschichten für euch
Teil 1

Salamacian machte auf dem Absatz kehrt und eilte die Treppen zurück hinauf. Seine Stimme hallte in den verfallenen Gemäuern wieder wie eine Friedhofsglocke, als er lauthals den Namen der Kreatur brüllte, die fest entschlossen schien, sein Leben in ein einziges Jammertal zu verwandeln: „Fräulein Niedermaier! Fräulein Niedermaieeeeeeeeer! FRÄULEIN NIEDERMAI-“

„Jetzt schreien’s ned so, Herr Salamacian. I bin ja nu ned taub.“

Salamacian kam inmitten seines Thronsaales schlitternd zu stehen. Die Stimme kam von oben. Weit oben. Erblickte auf und entdeckte seine Haushälterin knapp unter der Decke, wo sie auf einer endlos langen Leiter balancierte und den Luster polierte, den ein Urgroßonkel Salamacians dereinst aus den Knochen seiner Feinde hatte anfertigen lassen. Fräulein Niedermaiers rosarote Tweedjacke kontrastierte auf fast unwirkliche Weise dem Dekor.

„Was is denn? Sehen’S ned, dass ich grad am Arbeiten bin?“

Salamacian atmete tief durch.

„Sie waren schon wieder in meinem Labor!“

„Und?“

„Wir haben darüber geredet! Ich will nicht, dass Sie dort hineingehen!“

„Und wie bitte soll ich dann dort aufräumen, wenn ich nicht reindarf? Hm? Hm? HM?!“

„Gar nicht!“

Fräulein Niedermaier schenkte ihm daraufhin einen Blick, unter dem schwächere Dunkle Lords niedergebrochen wären. Es war ein Blick, der eindeutig besagte: Du weißt nichts, Salamacian.

„Ja, das hamma scho gehabt“, sagte sie und begann mit einer Geschwindigkeit die Leiter herunterzuturnen, die angesichts ihrer knapp achzig Jahre ausgesprochen beeindruckend war: „Und wenn ich ned aufräum, Sie tun es sicher ned, oder? Und dann bleibt wieder irgendwo ein Pentagramm halberts liegen und Sie beschwören aus Versehen einen Schrecken aus dem Abgrund und dann hamma das Theater.“

Sie gestikulierte energisch mit ihrem Putzlappen vor seiner Nase herum: „Und wem hängt das dann ewig nach? Mir. Dem Herrn Travlicek seine Schwarze Fürstin ist vor zehn Jahren bei so was gefressen worden – und das hört er immer noch!“

Sie wedelte noch ein wenig nachdrücklicher mit dem Putzfetzen, wohl, um den vollen Umfang des Missfallens auszudrücken, zu dem die häushälterliche Gemeinschaft in solchen Fällen fähig war. Salamacian zwang sich, nicht vor ihr zurückzuweichen.

„Aber trotzdem, Fräulein Niedermaier – Sie können nicht einfach die Dämonenkäfige ausmisten. So was geht einfach nicht!“

„Wieso nicht?“

„Weil es die Dämonen traumatisiert! Der Balrog sitzt seit dem letzten Mal nur noch apathisch in der Ecke und wimmert jedes Mal, wenn jemand vorbeigeht.“

Fräulein Niedermaier dachte kurz nach.

„Is das der mit den fünf Paar Flügeln?“

„Nein, der mit dem glühenden Stierkopf und den Hörnern.“

Ihre Miene hellte sich auf: „Ah, der. Der war ein bisschen grantig, ja.“

„WEIL SIE IHM WINDELN ANGEZOGEN HABEN!“

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22 Antworten zu Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 2

  1. Mountfright schreibt:

    Hat dies auf schreckenbergschreibt rebloggt und kommentierte:
    Ein Dunkler Fürst zu sein ist nicht einfach. Und was den Umgang mit Balrogs angeht, können sich sowohl Feanor als auch Gandalf bei Fräulein Niedermaier noch was abschauen. 😀

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