Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 4

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Dankenswerterweise gab es an diesem Nachmittag einen kleinen Bauernaufstand in einer seiner Ländereien – nichts vertreibt Kummer und Sorgen so gut wie die dedröppelten Gesichter einer geschlagenen Rebellenarmee – aber bis zum späten Abend war Salamacians finstere Stimmung zurückgekehrt und verfolgte ihn bis zum monatlichen Saunatreffen mit seinen Kollegen.
Während die anderen Schreckensherrscher fröhlich schwitzten, dabei ein Gläschen Absinth1umgehen ließen und in eine lebhafte Diskussion über die Drachenzucht verwickelt waren, starrte Salamacian nur auf die Holzbank vor sich und hing bitterschwarzen Gedanken nach. Das war an und für sich nichts Ungewöhnliches – düsteres Grübeln gehört mehr oder weniger zu den Berufsanforderungen – aber Salamacian beschränkte diese Beschäftigung normalerweise auf die Geschäftszeiten. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er auffiel und ein skelettierter Finge ihn vorsichtig auf die Schulter klopfte. Der Finger gehörte zu Koriolan Knochenreiter (K.u.K. für seine Freunde), der ihn aus leeren Augenhölen musterte: „Alles in Ordnung mit dir, Alter?“

„Hm“, machte Salamacian: „Alles bestens.“ 

Baldomachcharion Prim, Fresser Unschuldiger Seelen, hatte zugehört und beugte sich zu ihnen herüber: „Schaut aber nicht so aus.“ – „Doch ehrlich. Alles großartig.“

Aber es war schon zu spät und die Aufmerksamkeit der gesamten Truppe auf ihn gerichtet. Salamacian sah, wie die Fürstin der Frettchen (wesentlich grausamer, als der Name glauben lassen würde) ungläubig eine Augenbraue hob. NIEMAND auf dem Planeten konnte ihre Augenbrauen so absolut ungläubig heben wie die Frettchenfürstin. Von ihr geaugenbrauenbehoben zu werden, das war, als würde man innerhalb eines einzelnen Atemzugs von einer ganzen Busladung von überenthusiastischen Inquisitoren durch die Mangel gedreht, die aus lauter Liebe zum Job unbezahlte Überstunden einlegten und ihre eigenen Streckbänke von zu Hause mitbrachten, weil die staatlich zur Verfügung gestellte Standardstreckbank nicht ihren Ansprüchen entsprach.

„Naja“, korrigierte Salamacian sich folglich: „Ich musste heute eine meiner Dienerinnen züchtigen. Könnte sein, dass mir das noch ein bisschen nachhängt.“

Dafür erntete er sofortiges Mitgefühl der gesamten Truppe.

„Ah, shit“, sagte K.u.K: „Das kenn ich. Sorry, Mann, das ist hart.“

„Ja“, pflichtete Baldomachcharion bei: „Unendlich mühsam, bis man die wieder ersetzt hat.“

„Und die Brandflecken im Teppich erst!“

„Schrecklich, oder? Ich hab neulich stattdessen mal versucht, einen explodieren zu lassen, aber…“

„Auch nicht besser?“ – „Na ja, die Tapete ist jetzt definitiv ausdrucksstärker als vorher….“ – „Ah, auch blöd.“

Es folgte eine lebhafte Diskussion über die korrekte Verkokelungsart für unfolgsame Untergebene, der Salamacian mit immer düsterer Stimmung lauschte. Seine Gedanken wanderten zu dem einem Mal, als er ein paar stolze, unbeugsame Elfenkrieger vom Volk der Saha’aa’aan gefangengenommen hatte.
Er hatte sie ins Verließ werfen und dort ein paar Wochen in Kälte und Dunkelheit darben lassen, um ihren Kampfgeist zu brechen. Dummerweise war allerdings Fräulein Niedermaier der Meinung, dass man doch so nicht mit Gästen umgehen konnte, und nahm die Sache in die Hand.
Als Salamacian die Geiseln nach drei Wochen – und nach dem Eintreffen des Lösegeldes – aus dem Verließ holen ließ, waren sie wohlgenährt und bester Dinge. Ihr Anführer umarmte ihn sogar und bedankte sich mit einem überschwänglichen Schwall Elfisch bei ihm, in dem Salamacian nur die Worte „unerwartete Gastfreundschaft“, „vorzüglicher Tee“, „hinreißende, deliziöse Butterkekse“ und „Wärmeflaschen, sehr zuvorkommend“ identifizieren konnte. 

Er musste die Frau loswerden. Er musste einfach. Er MUSSTE.

Aber wie?







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20 Antworten zu Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 4

  1. Mountfright schreibt:

    Hat dies auf schreckenbergschreibt rebloggt und kommentierte:
    Salamacian hat es schwer – und das Schlimmste, was man in so einer Situation bekommen kann ist? Richtig – das Mitleid von Leuten, die keine Ahnung haben WIE groß das Problem ist.

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