Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 10

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Er hatte vergessen, dass es ja jetzt niemanden mehr gab, der gegen seinen strikten Befehl in sein Allerheiligste einbrach, dort aufräumte und etwaiges Kerzenwachs und/oder Jungfernblut und ähnlich rutschige Substanzen vom Boden entfernte. Ehe Salamacian sich versah, riss es ihm die Füße aus und er knallte mit solcher Wucht auf den Steinboden, dass er Sterne sah. Er versuchte, sich aufzurappeln, glitt aber gleich noch einmal aus, wobei er sich verzweifelt an einem Regal festzuhalten versuchte.
Das Regal reagierte auf diese unwürdige Behandlung damit, nach vorne zu kippen und seinen Inhalt – schwere Bücher, Flaschen voller hochgiftiger Substanzen und Kristallkugeln in verschiedenen Größen – über Salamacian zu ergießen. Niemand bekommt die fünfteilige, in Feuersalamanderleder gebundene Sonderedition des Necronomicons auf den Kopf, ohne erneut zu Boden zu gehen.
Von dort aus, benommen, wimmernd, hatte Salamacian einen großartigen Blick auf das Regal, das wieder in seine ursprüngliche Position zurückkippte. Eine letzte Kristallkugel – die schwerste – war noch darin verblieben, quasi in nobler Zurückhaltung. Jetzt überkam aber auch sie die Reiselust, sie hing noch einen Atemzug lang am äußersten Regalrand und stürzte dann auf Salamacian hinab. Um genauer zu sein: auf einen sehr speziellen Teil Salamacians.

Die anwesenden Dämonen, die Geschehen bisher mit fasziniertem Blick aus ihren Käfigen heraus verfolgt hatten, zuckten synchron zusammen und auf ihren Gesichtern zeigte der universale Au-Shit-muss-das-weh-getan-haben!-Ausdruck tiefen Mitgefühls, mit dem männliche Wesen im gesamten Multiversum auf so einen Anblick reagieren.1 Ein paar bedeckten ihre Augen und ein kleiner Asbestteufel brach sogar in Tränen aus. Salamacian verbrachte die nächsten zehn Minuten lang damit, zu einer Kugel zusammengerollt am Boden zu liegen und zu wimmern. Dann quälte er sich schließlich auf und schleppte sich die Stufen hinauf bis in sein Schlafgemach. Dort hatte er zu nichts anderem mehr die Kraft, als ins Bett zu fallen und sich tot zu stellen.

Der nächste Tag wurde der schlimmste in Salamacians Leben.




1Und ja, es waren tatsächlich so gut wie alle Dämonen in Salamacians Käfigen männlich oder das, was in ihren jeweiligen Heimatgefilden dafür durchging. Während es zwar durchaus auch weibliche Dämonen gibt, haben die aber in der Regel wesentlich Besseres zu tun, als sich von irgendwelchen Typen in Robe beschwören zu lassen.

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14 Antworten zu Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 10

  1. Mountfright schreibt:

    Hat dies auf schreckenbergschreibt rebloggt und kommentierte:
    Ja, JEDER Mann kennt diesen Reflex. 😀 Und ich hätte gerne die erwähnte Ausgabe des Necronomicon. Wo gibt’s die?

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