Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 13

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Eine halbe Stunde später war sie mit Tee und Mandelmakronen versorgt und hatte ihre Geschichte erzählt. Die Versammlung hatte darauf mit kollektiver Empörung reagiert – wenn Salamacian anwesend gewesen wäre, hätte er es wohl riskiert, mit Teeservicen und Spitzendeckchen gelyncht und am nächsten Kronleuchter aufgehängt zu werden.

„Gekündigt“, schäumte ein älterer Herr mit gloriosem Kräuselschnurrbart: „Eine Niedermaier, GEKÜNDIGT?!“

„Dabei kannte ich seinen Vater“, fügte ein anderer hinzu: „Ein wahrer Gentleman von einem Schreckensherrscher. Da war es flammender Tod oder gar nichts. Aber Entlassung… Entlassung… meine Güte, was ist das nur für eine Kreatur!“

Melissa, die Frau in Pastellblau, war immer noch bleich vor Schock. „Ist nichts mehr heilig? Nichts?“, murmelte sie in einem fort: „Gar nichts?“

Der Zorn ihrer Genossen war Balsam auf Fräulein Niedermaiers wunder Seele. Sie ließ sich noch ein Schlückchen Tee nachschenken und goss dann noch Öl auf die Flammen der haushälterlichen Indignation um sie herum: „Wisst ihr, dass er mir verbieten wollte, die Dämonenkäfige zu misten?“

„Nein! Das hat er nicht gewagt?!“

„Doch, doch. Und wie er sich aufgeregt hat, als ich den Burggraben ausgelassen hab-“

„Aber jeder weiß, dass man die regelmäßig reinigen muss, damit sich keine Riesenkraken drin ansiedeln!“

„Ich weiß, ich weiß, aber wie er sich aufgeführt hat, hätt man meinen können, es ist ihm egal. Und dann war noch die Sache mit dem Kakao…“

Ein kollektives Luftschnappen ging durch die versammelte Runde.

„Er hat… er hat aber nicht…“, stammelte Melissa: „Nein. Nein, das hat er nicht gewagt. Das kann er einfach nicht gewagt haben.“

„Doch“, sagte Fräulein Niedermaier und zum ersten Mal zeigte ihre Fassade Risse und ihre Augen wurden verräterisch feucht: „Er hat den Kakao nicht getrunken.“

Niemand wusste mehr, was er oder sie darauf noch zu sagen hatte. Die ultimative Kränkung war ausgesprochen, die endgültige Blasphemie begangen worden. Darauf gab es nur noch Schweigen. Schließlich streckte Melissa langsam eine Hand aus und berührte die andere Frau sacht am Oberarm. Diese eine Geste des Mitgefühls war zu viel für die Haushälterin – sie wendete hastig das Gesicht ab und alle im Raum waren sich hilflos bewusst, dass sie gerade mit den Tränen kämpfte.

In diesem Moment kam ein Räuspern von der Tür her.

Fräulein Niedermaier war fast lächerlich dankbar für die Ablenkung. Sie wischte sich verstohlen die Wangen mit dem Ärmel ab und wandte sich zum Wirt um, der mit hochroten Kopf im Eingang stand.

„Ja, was ist?“

„Fräulein, es tut mir leid, dass ich störe, es tut mir wirklich leid“ – der arme Mann wirkte, als würde er sich am liebsten unter dem Teppich verstecken: „Aber er hat einfach keine Ruhe gegeben.“

„Wer?“, fragte Fräulein Niedermaier und kämpfte die absurde Hoffnung nieder, die plötzlich durch ihre Brust flattern wollte. Eine verhüllte Gestalt schob sich am Wirt vorbei.

„Ich“, antwortete der Neuankömmling und schob die Kapuze zurück: „Und ich habe ein Angebot für Sie.“

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11 Antworten zu Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 13

  1. Mountfright schreibt:

    Hat dies auf schreckenbergschreibt rebloggt und kommentierte:
    Sarah erzählt derweil weiter vom Dunklen Fürsten und dem Fräulein Niedermaier – und die Spannung steigt. Auftritt: Ein geheimnisvoller Gast…

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