Das Lexikon der Absonderlichen Arten – die U5

Hey Leute, wie geht das Leben? Langsam scheinen wir diesen gottverdammten Scheißvirus ja zumindest hierzulande in den Griff zu kriegen, was sehr erfreulich ist.

Während die Lage sich entspannt, isoliere ich mich gerade die letzten Tag noch rigoroser. Ziel ist es, Ende der kommenden Woche zum ersten Mal seit neun Wochen zu meinen Eltern und Brüdern nach Oberösterreich zu können, ohne mir Sorgen machen zu müssen, dass ich etwas mitbringe. So sehr ich meine Wiener Wohnung liebe, langsam krieg ich schon einen gröberen Lagerkoller und ich vermisse Clan und Kater.


Was das Organisatorische hier angeht:
Ich habe ursprünglich gesagt, ich poste hier jeden Tag Geschichten, bis die Ausgangssperren aufhören. Das wäre in Österreich der Montag. Nachdem ich aber weiß, dass ich etliche Nicht-Österreichern unter den Lesern habe, vor allem Deutsche, fänd ich es höchst fies, jetzt mittendrin aufzuhören. Neues End-Datum für mich also ist das Ende (oder die weitgehende Lockerung) der Sperren in Deutschland, oder zumindest weiten Teilen davon. (Ja, umständlich formuliert, ich weiß. Aber was mach ich, wenn Sachsen nie wieder aufmacht, weil der Rest Deutschland ihnen sicherheitshalber nix vom Ende der Seuche gesagt hat, damit die Nazis daheimbleiben? Eben.)

So, jetzt aber… zur…

U5, die: 

Eine der Kuriositäten des Wiener Liniennetzes ist das anscheinende Fehlen der U5 – es gibt eine U4 und eine U6, aber dazwischen nichts. Die offizielle Erklärung ist, dass es sich dabei einfach um das Ergebnis schlampiger Bauplanung handelt, dass eine U5 geplant war, aber nie verwirklicht wurde.

Die Wahrheit ist natürlich eine andere: die U5 existiert, aber die Behörden wären wahnsinnig, das zuzugeben. Damit würden sie nämlich riskieren, dass jemand versuchen würde, tatsächlich in einen der Züge einzusteigen.

Im Lauf der Jahre hat man nämlich tatsächlich einige der Stationen gefunden, wenn auch an den seltsamsten Orten: eine verlassene Fabrikshalle im Industriegürtel, in der Kühlkammer eine Bestatters, im Hinterzimmer einer alten Dame in Hietzing. Und es fahren dort auch Züge*, mit leeren Wagons und leeren Führerkabinen. Die Frequenz ist geringer als bei den übrigen Linien, einmal am Tag, aber dafür zuverlässiger und ohne sich jemals zu Verspäten.

Schon zweimal haben sich besonders mutige Mitarbeiter der Wiener Linien dazu bereit erklärt, nach dem Endbahnhof zu suche Sie nahmen Waffen und Proviant für mehrere Tage mit, verabschiedeten sich von ihren Lieben, lösten ein gültiges Ticket und stiegen ein. Bei beiden jedoch war der Wagon an der nächsten bekannten Haltestelle leer. 

*wenn auch noch niemand herausgefunden hat, wie sie es in die jeweiligen Stationen schaffen, ohne dabei Treppen hochzufahren oder Mauern einzureißen. 

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5 Antworten zu Das Lexikon der Absonderlichen Arten – die U5

  1. Flocke schreibt:

    Uahahaha… 😱😇 Wenn die erst anfangen, auf Linie 1-6 zu spuken…

    Vielen lieben Dank für die Fristverlängerung und weiterhin gutes Abschotten, auf das es klappt mit der Familie.

    Eine deutsche Leserin (keine Sächsin)

  2. Mountfright schreibt:

    Deutschland dankt Österreich! (Vorgetragen mit der näselnden Stimme eines Wochenschauverkünders, in leicht triumphalen Tonfall, vor dem Hintergrund eines Medleys aus „Preußens Gloria“ und „An der schönen Blauen Donau“.)

  3. Mountfright schreibt:

    Hat dies auf schreckenbergschreibt rebloggt und kommentierte:
    Von der U5 hat Sarah mir schon oft erzählt, und ich liebe sie. So sehr, dass es sein könnte, dass diese Linie in den kommenden Jahren in einem meiner Werke auftaucht. Mehr kann ich noch nicht sagen, aber falls es so ist: Sarah hat es mir erlaubt. 🙂

  4. Mountfright schreibt:

    Oh, und ich muss doch auch mal eine Lanze für die Sächsinnen und Sachsen brechen – da gibt es sehr tapfere Antifaschist*innen, auf die ich Deutschland ungern verzichten möchte. Könnten wir die Ausgangssperre nicht einfach für Menschen mit einer ganz bestimmten Gesinnung ad infinitum verlängern?

  5. Pingback: schreckenbergschreibt: Quarantänegeschichte Nr. 46 – Der Ruf, Teil 21 | schreckenbergschreibt

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