Gestern Karambit-Seminar im Kampfsportstudio meines Vertrauens, heute Weltmuseum mit anschließender Schreibsession im Museumscafe: ich bins zufrieden mit meinem Wochenende.

Wenn jetzt noch der alte Mann am Nebentisch zu granteln aufhört – über seine Frau, den Kakao, die Kellner, di Welt – dann wärs perfekt. Seine Gattin nimmt es anacheinend mit langjährig amüsiertem Humor.

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Aber sie hat nicht „nein“ gesagt.

Darf ich mich mal wieder kurz aufregen? Darf ich?

Wurscht, is mein Blog, also logisch darf ich.

Eine Bekannte hat mir heute von einem Dialog erzählt, den sie neulich zwischen ein paar Männern mitbekommen hat. Es ging darum um die äußerst komplizierte Frage, was denn heutzutage nun schon alles eine Vergewaltigung ist und – „Wenn sie es nicht will, dann soll sie halt Nein sagen!“ Denn wenn sie nicht nein sagt, dann ist sie halt selber Schuld.

Ahh… der gute alte „yes until no“-Ansatz, den ich auch wirklich für eine exzellente Idee halte. Also zumindest dann, wenn ihr wirklich jemanden aus Versehen vergewaltigen wollt, Burschen. Ansonsten ist er eine grotesk beschissene Idee.

Zuerst einmal gibt es die Möglichkeit, dass das Mädel im Moment gar nicht Nein sagen KANN. Ein paar davon wären:

  • weil sie zu betrunken oder anderweitig durch Substanzen beeinträchtigt ist
  • weil sie Angst hat und nicht sicher ist, dass ein ‚Nein‘ die Situation nicht eskalieren lassen würde. Wir kennen alle die Geschichten von Date-Rape und Frau-Sagt-Nein-Und-wird-Tot-in-Gosse-Gefunden. Keine Frau ist scharf drauf, zur Statistik zu werden. IHR wisst vielleicht, dass ihr Gentlemen seid und keine Schurkischen Schurken, die nach einem Nein gewalttätig werden – aber sie vielleicht nicht. Gerade, wenn ihr euch noch nicht lang kennt, wenn ihr sehr vehement in euren Avancen seid, wenn ihr an einem Fremden Ort seid und es keinen klaren Fluchtweg gibt, wenn Alkohol im Spiel ist… wenn… wenn wenn…. Wenn sie euch nicht einmal vertrauen kann, ihren Willen klar zu erkunden und fucking NACHZUFRAGEN, woher soll sie dann sicher wissen, wie ihr sonst so drauf seid?
  • Weil sie ein bestehendes Trauma mit sich herumschleppt, beispielsweise durch einen früheren sexuellen Übergriff. Bestimmte Situationen können Flashbacks triggern und beim Opfer Panik und eine Schockstarre auslösen, in der es einfach mit sich machen lässt. Und ratet mal, welche Situationen bei so einem Trauma vermutlich triggernd sind? Hm? Wenn ihr dann einfach fröhlich weitermacht, ohne auf die nonverbalen Signale zu achten, ohne nachzufragen – gratuliere, dann fickt ihr eine komplett Wehrlose, die gerad einen der schlimmsten Momente ihres Lebens nochmal erlebt. Hoffe, ihr seid stolz auf euch. (Und nein, ich hab grad kein Problem mit der drastischen Sprache – ich hab mal eine Nacht damit verbracht, eine am ganzen Leib zitternde Freundin im Arm zu halten, der fast so Ähnliches passiert wäre. Ich bin bei dem Thema in epochalem Ausmaß humorlos.)

Das sind nicht die einzigen Gründe, aber vermutlich die häufigsten. Wir fassen zusammen: der reine Mangel eines Verbalen „Neins“ ist kein Signal, einfach weiter zu machen. Es ist eine Grundvorraussetzung, weil ein ‚Nein‘ natürlich absolut zu respektieren ist und alles weitere beendet, aber mehr auch nicht. Was ihr danach weiter braucht ist unser guter, persönlicher Freund ‚Konsens‚. Vorzugsweise enthusiastischer.

Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass ihr alle perfekte Gentlemen seid und nur Geschlechtsverkehr mit Damen wünscht, die ebendiesen auch wünschen. Ich hoffe, das können wir als Gesprächsbasis annehmen? Gut. Wie verhindern wir also obige und und ähnliche Situationen?
Nun, simpelsterweise darin, in dem wir ihren Konsens einholen. Es ist erstaunlich einfach. Life-Hack und alles.

„Aber Sarah“, höre ich es jetzt fragen: „muss ich jetzt vor jedem Parteienverkehr in der Unterleibsregion eine dreifache Einverständniserklärung zur ausfüllen? Mit extra-Kästchen zum Ankreuzen für oral und Hintern-hauen? Wird das nicht irre aufwändig?“

Nein, Kinder, müsst ihr nicht und das wird es nicht.

Zum einen gibt es da die famose Einrichtung des Enthusiastischen Nonverbalen Konsens: das heißt, dass sie so begeistert mit von der Partie ist, dass jeder Zweifel hinfällig ist. Wenn ihr euch also selig grinsend in Handschellen auf einem Bett wiederfindet, während die Dame euch die Jeans mit den Zähnen auszieht und dabei ebenfalls selig grinst: gratuliere, Konsens hergestellt. Gilt auch für weniger ausgefallenen Fällen. Aber glaubt mir: eine Frau, die gerade enthusiastisch will, ist absolut in der Lage, das sehr, sehr klar zu machen. Und ich meine da eben wirklich ‚enthusiastisch“, ein „hält still und sagt nicht nein“ GILT DA NICHT. Wenn ihr den Unterschied nicht erkennt, Leute, dann solltet ihr ohnehin sehr dringend niemals Sex haben.

In allen anderen Situationen – ALLEN – fragt nach. Wenn irgendein Zweifel besteht, auch nur der Allergerinste, dann fragt gefälligst nach. Es gibt viele wunderbare Formulierungen, aber ein schlichtest: „Möchtest du das gerade?“ tut’s in den meisten Fällen. Und wenn sie irgendetwas anderes sagt als etwas, das sich mit: „Ja, sehr gerne, ich habe großes Bedürfnis nach Sexualität mit dir“ übersetzen lässt, dann bleibt die Hose zu. Und zwar scheißegal, wie gerne IHR gerade wollen würdet.

„Aber was ist mit den Frauen“, höre ich euch sagen: „die einfach nur hard to get spielen? Die Nein sagen und Ja meinen?“
Ja, die Ladies gibt’s. Bin kein Fan davon, weil sie ein ohnehin schon kompliziertes Spiel noch komplizierter machen. Aber auch da, gerade da: nachfragen. „Hey, ich kann dich grad nicht lesen – möchtest du gerade überhaupt?“ ist mal ein Ausgangspunkt. Ihr seid schlaue Kerlchen, ihr findet eure eigenen Formulierungen.

Und was die Formulierungen angeht, weil das ebenfalls ein Einwand ist, der dann oft kommt: „Ja, aber wenn wir drüber reden, wenn wir das so technisch machen – dann ist das nicht mehr romantisch/spontan/erotisch/whatever.“

Burschen, ich verrat euch jetzt ein Geheimnis. Ihr werdet mir danken.

Worte können so verdammt erotisch sein. Wenn man’s richtig macht, dann ist das Konsens-Einholen keine Unterbrechung. Ich garantiere euch, in der richtigen Stimmung (und mit der richtigen Stimme) ist es Teil des Vorspiels.

Sarah over and out.


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Vom Hungrigen Magister

Recherchier gerade über die große Pestepidemie 1679 in Wien und stelle fest, dass die Unterfinanzierung im österreichischen Gesundheitssystem echt eine alte, alte Sache ist. So war eines der barocken Probleme bei der Bekämpfung der Pest unter anderem, dass sich der Posten des dafür zuständigen Chefarztest – des Magister Sanitatis – irrsinnig schwer besetzen ließ. Und zwar nicht nur deshalb, weil der bei einer Epidemie traditionellerweise einer der ersten war, die sich angesteckt haben – sondern auch, weil der Job so dermaßen schlecht bezahlt war, und die Zahlung der mageren Raten auch eher zufällig gekommen sein scheint. Das ging so weit, der Magista Sanitatis Plöchinger 1663nicht etwa an der Pest verstorben, sondern verhungert ist während er auf seinen Lohn gewartet hat. Der ausgewählte Nachfolger, ein Herr Dr. Georg Loga aus Stockerau, lehnte den Posten dann dankend mit Verweis auf seinen unglücklseligen Vorgänger und dessen Ende ab. Was man ihm jetzt echt nicht verdenken kann.

Österreich, oh, Österreich…

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Wärmeflaschendilemma um drei Uhr Nachts

Problem: Ich habe kalte Füße.
Lösung: Wärmeflasche holen
Problem: Dazu müsste ich Bett verlassen; noch kältere Füße
Lösung: Jemanden bitten, mir Wärmeflasche zu bringen
Problem: Lebe alleine; Guppys anatomisch nicht in der Lage, mir Wärmeflasche zu bringen
Lösung: Jemanden anrufen, damit er oder sie vorbeikommt und mir eine Wärmeflasche bringt
Problem: würde ziemlich jeden in meinem Freundeskreis irritieren und müsste Bett verlassen, um ihn oder sie hereinzulassen
Lösung: Wärmeflaschen-bringungs-Roboter bauen
Problem: Mangel an technischem Know-How, zusätzlich Bettverlassungsproblematik siehe oben
Lösung: Aufstehen, selber fucking Wärmeflasche machen, dabei über die Grausamkeit des Universums grummeln

Aber wenigstens hab ich jetzt warme Zehen

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Lese gerade, dass die heilige Agnes heilig war, weil sie aus Frömmigkeit nie gebadet hat. Lese das, um genau zu sein, in der Badewanne.

Aber dass ich in dem Leben nimmer heilig werd, war eh schon vorher klar.

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Und für alle, die heuer wieder fröhlich Böllern werden: ich werd total liebvoll an euch denken. Während ich den Jahresumbruch wieder mal auf den Knien neben einem Bett verbringe und beruhigend auf die zwei Kater einrede, die darunterhocken und überzeugt sind, dass die Welt untergeht. Die noch die nächste Stunde einen Puls haben werden wie zwei Kolibris.

Was werd ich an euch denken.

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Tagine

Meine Brüder kennen mich exzellent gut und haben mir zu Weihnachten ein Zuckerthermometer (auf dass auch komplizierteste Patisserie nicht sicher sei vor mir) und eine Tagine geschenkt. Gerade nach letzerer – einem marokkanischen Schmortopf aus Ton und mit spezieller Form – hat sich mein kleines küchiges Herz schon seit längerem Verzehrt, es war mir aber immer ein wenig zu extravagant, mir selbst eine zu kaufen. Folglich bin ich auch zwei Tage später noch restlos begeistert, worauf sich folgender Dialog entspinnt.

Ich: „Es ist so wunderbar! Großartig! Ich hab gestern schon den halben Abend Rezepte recherchiert!“
Bruder: „Das freut.“
Ich: „Aber für eine Portion lohnt sich das nicht. Ihr müsst nächste Woche mal zum Tagine-Einweihungsessen vorbeikommen.“
Bruder: „Nun ja…“
Ich: „Nun ja?“
Bruder: „Ich gestehe: das ist einkalkuliert. Es war nicht das selbstloseste aller Geschenke.“
Ich: „So soll es sein! Was bringt die beste Tagine, wenn ich niemanden damit bekochen kann?“
Bruder: „…“
Bruder: „:…“
Bruder: „…“
Bruder: „Wusstest du eigentlich, dass am Dachboden noch chinesische Dämpfkörbe stehen? Ich glaube, die braucht auch niemand mehr.“
Sarah: *wortloses Quietschen*

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