Nächtliches

Es is halb fünf in der Früh, ich sollt eigentlich schlafen und denk stattdessen an eine bestimmte Französischstunde in siebten Klasse.

Unser Professor* hatte uns Kopien von ein paar Seiten aus „Tim und Struppi im Kongo“ mitgebracht und wir sollten herausfinden, was da falsch ist.Wir haben zehn Minuten lang jede Zeile durchforscht, haben unsere Lehrbücher gewälzt und uns verzweifelt gefragt, wo zum Teufel da ein Akzentstricherl falsch sein könnte.

Irgendwann hat er aufgegeben und gefragt: „Euch fällt wirklich nichts auf?“

„Nein?“ „Bitte, schaut euch die Afrikaner an! Die sind das absolute Klischee vom ungebildeten Wilden – Baströckchen, dicke Lippen, reden wie kleine Kinder. Und das ist euch nicht aufgefallen!?“

Ist es nicht. Weil wir’s einfach hingenommen haben, weil wirs nicht hinterfragt haben, weil wir stattdessen nach dem depperten Akzentstricherl gesucht haben. Ich war immer miserabel in Französisch, aber ich glaub nicht, dass ich jemals wieder in einer einzelnen Schulstunde so viel gelernt hab.

*einer der klügsten, weitgereistesten Menschen, die mir in meinem Leben je begegnet sind. Seine einzige Begriffsstutzigkeit war, dass er nie begriffen hat, wie gerne wir ihn alle mochten.

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Eine Antwort zu Nächtliches

  1. Franz Nöstlinger schreibt:

    Das endert sich ja jetzt mit
    C.Nöstlinger Geschichten Vom Franz !!!

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