Quarantänegeschichten Teil 20

Heute gibt es ein ganz frühes Frühwerk des Schreckenbergs, also, ich meine, so wirklich verdammt früh: Das Haus

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Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 8

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Vielleicht aber – und diese Möglichkeit sollten wir keineswegs außer Acht lassen – war es auch der beständige Strom von empörten Gemurmel, der alle auf Abstand gehen ließ: „Mich entlassen? Mich? Eine Niedermaier entlässt man nicht. Niemand entlässt eine Niedermaier. Was glaubt der, wer er ist, der Herrscher der Welt, oder wie? Aber das schau ich mir an, wie der die Welt ohne seinen Kakao beherrscht, völlig kakaomangelgeschwächt, wirklich, das schau ich mir an…“

Vielleicht hörten die Bewohner von Sümpfen, Wald und Einöde dieses Gemurmel und spürten instinktiv, dass sie an diesem Tag weder die wütendsten, noch die gefährlichsten Kreaturen im Umkreis waren und gingen sicherheitshalber in Deckung. Denn schließlich wollte niemand beim nächsten Internationalen Riesenkrakentreffen1 mit zu wenigen Tentakeln auftauchen und zugeben müssen, dass er von einer alten Dame so zugerichtet worden ist.

Was auch immer der Grund war: Fräulein Niedermaier erreichte die Grenze von Salamacians Herrschaftsgebiet unbehelligt und am Abend des dritten Tages trat sie – müde, staubig und immer noch stinkwütend – durch die Tore des Städtchens Blokkk.2 Ihr letzter Besuch war zwar schon einige Zeit her, dennoch fand sie den Weg durch die engen Straßen und verrauchten Gässchen ohne Zögern, vorbei an Marktfrauen mit Körben voller Gänse und Hühner, vorbei an den Quacksalbern mit ihren bunt geschmückten Ständen und großen Reden, vorbei an den Freudenmädchen, die in diesem Teil der Welt ihre Profession mit feuerroten Bändern im Haar verrieten. Fräulein Niedermaiers Ziel lag in einer kleinen Seitengasse abseits des Trubels und war weithin als Mördergrube und Absteige des schlimmsten Gesindels verschrieen, das diesseits des Fröstelnden Ozeans zu finden war. Fräulein Niedermaier schaute auf zu der groben Holzsschnitzerei eines behörnten Pferdes, die der Taverne Zum tänzelnden Einhorn ihren Namen gab, lächelte ihm zu wie einem alten Freund – und trat ein.




1Jeden Mai in einem reizenden Seminarkorallenriff in der Südkaribik. Teilnahme ausschließlich auf persönliche Einladung, sieben Tentakel Mindestvoraussetzung.

2Benannt nach der Stadtgründerin Grreggorria Blokkk, letzter Sproß einer legendären Konsonantensammlerdynastie aus den nördlichen Bbbb-Bergen. Sie starb noch in jungen Jahren, als sie die Truppen ihres Vaters gegen einen Stamm aufständiger Vokalisten führte und von einem Wurfbeistrich in die Halsschlagader getroffen wurde.

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Quarantänegeschichten Teil 19

Michaels heutige Geschichte ist wieder eindeutig nichts für Kinder. Und um Astrid und das Kätzchen und den Hund tuts mir auch leid, da aber endet auch schon meine Meinungsgleichheit mit dem Protagonisten.


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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 7

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Im Morgengrauen des nächsten Tages stand er auf den Zinnen und sah zu, wie die Zugbrücke herabgelassen wurde, damit eine in rosafarbenen Tweed gehüllte Gestalt die Feste verlassen konnte. (Die Zugbrücke war momentan nur bedingt notwendig, weil Fräulein Niedermaier letzte Woche zum wiederholten Mal das Wasser aus dem Burggraben ausgelassen hatte, um ‚Einmal ordentlich aufzuräumen da unten, ist ja unglaublich, was da alles herumliegt.‘)

Salamacian sah zu, wie sie in der Ferne immer kleiner und kleiner wurde und redete sich erfolgreich ein, dass er nur Triumph verspürte. Nichts als Triumph.

Es dauerte fast drei Tage, bis Fräulein Niedermaier die nächste Stadt erreichte, und ein Noramalsterblicher hätte die Reise nicht überlebt. Er wäre wahrscheinlich schon in den Sümpfen rund um die Feste von der dortigen Fauna gefressen worden, allen voran von den Krokodilen und Sumpfriesenkraken.1 Hätte er oder sie wieder durch unverschämtes Glück und/oder göttliche Intervention die Sümpfe überlebt, so doch sicher nicht die darauf folgenden Wälder von Ohgottogottbittemachdassesaufhört, deren Name durchaus für sich selbst sprach. Und auf die paar unglücklichen Seelen, die wider Erwarten doch aus den Wäldern stolperten – meist blutüberströmt und im Besitz von weniger Gliedmaßen als noch ein paar Stunden davor – auf die wartete immer noch die mandolinische Einöde, bewohnt von Sphingen, Feuervögeln und einem ausgesprochen blutrünstigen Clan von Geigenbauern.2

Wir werden nie sicher wissen, warum all diese Wesen Fräulein Niedermaiers Leben verschonten. Vielleicht war ja kurz davor eine besonders große Reisegruppe durch die Gegend gekommen und die hiesige Fauna folglich immer noch mit dem Verdauungsschläfchen beschäftigt. Vielleicht war es göttliche Fügung. Vielleicht spürten die Monster auch irgendwie die Aura des Haushälterinnentums, von gewienerten Böden und gefalteten Socken, die von Fräulein Niedermaier ausging, und eine archaische Ehrfurcht ergriff sie vor diesem Bollwerk gegen das natürliche Chaos des Universums.

1Titus Modricus, oder der Gemeine Mitteleuropäische Sumpfriesenkrake, ist der am schlechtesten erforschte Vertreter der Riesenkrakenfamilien, was eine absolute Schande angesichts seiner wunderschönen modrigen Tarnfärbung und seiner schlichtweg faszinierenden Paarungsrituale. Man sagt, dass das Liebeslied der Gemeinen Mitteleuropäischen Sumpfriesenkrake von so unirdischer Schönheit ist, dass Worte ihm unmöglich gerecht werden können.

2Die elfenbeinweißen Violinen der Familie Bluticci waren zwar für ihren ungewöhnlich warmen Klang in Konznzertsäßen aller Welt heiß begehrt, aber nur so lange niemand nachfragte, woraus genau sie gemacht wurden.

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Quarantänegeschichte Nr. 18

Michaels heutige Quarantänegeschichte ist ein besonderes Goodie für die, die seine Romane kennen – Sergej im besonderen. Hier geht’s zum Weihnachtsbesuch.

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Der Dunkle Fürst und das Fräulein Niedermaier – Teil 6

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Der Geruch stieg ihm schon in die Nase, als er die Feste betrat. Seine Lippen verzogen sich zu einem zynischen Lächeln: dieses letzte Verbrechen würde es ihm noch viel leichter machen. Denn niemand machte einem professionellen Schreckensherrscher Kakao und kam damit straflos durch. Zumindest nicht mehr.

Er brauchte nur dem Duft von Zimt, Vanille und Schokolade zu folgen, um sie auf frischer Tat in seinem Schlafgemach zu ertappen, wo sie die Tasse gerade auf seinem Nachtkästchen abstellte.

„Ah, Herr Salamacian, das geht sich ja genau aus. Ich hab gedacht, ich bring ihn ihnen gleich, weil sie ja nach der Sauna immer sofort ins Bett wollen und..“

„Fräulein Niedermaier“ unterbrach er sie: „Kein seriöser Fürst der Dunkelheit trinkt Kakao. Keiner.“

Sie schaute ihn irritiert an: „Aber Sie ham ihn doch sonst immer so gern gehabt, wie sie klein waren-“

„Da war ich ein Kind, unschuldig in den Wegen der Welt, und ich wusste es nicht besser.“

„Aber-“

„Nichts aber! Aber niemals, niemals mehr wird dieses Gesöff meine Lippen netzten! Nie wieder!“

Er überlegte, ob er zur Sicherheit noch ein ‚Muhahahar!‘ hinzufügen sollte, entschied sich aber aus Stilgründen dagegen.

Fräulein Niedermeier musterte ihn, als sei er wahnsinnig geworden: „Aber… ich verstehe nicht…“

Er nutzte die Gelegenheit und sprach den Satz aus, den Baldomachchorion ihm beigebracht und den er den gesamten Heimweg über geübt hatte: „Fräulein Niedermaier – Sie sind entlassen!“

Sie sah ihn groß an.

„W… was?“

„Entlassen“, wiederholte er und legte all die Bosheit in seine Stimme, die er normalerweise exklusiv für Sätze reservierte, die die Worte ‚Gefangener‘ und ‚Skorpiongrube‘ enthielten.

„Entlassen?“

„Ja. ENTLASSEN.“

Das Wort war final. Es war das finalste aller finalen Wörter, die jemals das Finale einer Auseinandersetzung finalisiert hatten. Es war nicht halb so final wie das leise Klicken, mit dem Fräulein Niedermaier die Tasse Kakao abstellte.

„Gut“, sagte sie mit einer stillen Würde, dass die Queen von England neidesblass geworden wäre: „Dann werd ich besser packen.“ Dann wackelte sie aus dem Raum, ohne ihn noch eines weiteren Blickes zu würdigen. Äußerlich schien sie gelassen, doch Salamacian hatte den Eindruck, dass ihre Unterlippe ganz leicht zitterte. 

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Quarantänegeschichten Teil 17

Michaels heutige Story ist auch wieder ein historisches Stück – die hat er damals beim ersten Treffen des Internetforums vorgelesen, auf dem wir uns kennengelernt haben. Und zwar in einem Kölner Eiscafé, weil der Pub schon zu hatte, und draußen tobte der Karneval. Es war ein … Ding. (Und er hat erst Jahre später zugegeben, dass er nur ein Drittel von dem verstanden hat, weil’s laut war und mein österreichischer Akzent sehr gewöhnungsbedürftig…)

Aber ich schweife ab. Heute im Programm: Schreckenberg schreibt Science-Fiction und es wird nicht unblutig.

https://schreckenbergschreibt.com/2020/03/31/quarantanegeschichte-nr-17-8-stunden-11-minuten-42-sekunden/

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