Aber die jungen Leute

Bin gerade auf Facebook etwas explodiert, weil schon wieder jemand einen der unfassbar herablassenden „Ach, die jungen Leute, die sich über Klimawandel aufregen, sind doch selber schuld, wollen dauernd neue Klamotten und lassen sich von ihren Eltern zu den Demos fahren“-Artikeln gepostet hat. Von einem Typen Jahrgang 1950, der erklärt, dass man in SEINER Jugend natürlich nachhaltig gelebt hat und er drum an nix schuld ist.

Meine Antwort hier auch noch einmal: „

Tut mir leid, aber das deckt sich so ABSOLUT nicht den Jugendlichen in meinem Umfeld, die sich bei FFF engagieren. Die meisten jungen Leute, die ich kenne, die da mitgehen? Die kaufen ihre Kleidung gebraucht beim Kleiderkreisel, fahren Bus und Bahn, wo es nur geht (ein Mädel in meinem näheren Bekanntenkreis verweigert sogar den Führerschein deswegen), verweigern Kurzstreckenflüge und Erdbeeren im Februar, verwenden am liebsten gebrauchte Handys, wenn’s irgendwie geht… Und der letzte lokale Fridays for Future-Zug, bei dem ich dabei war, hatte sogar eine strikte Keine-Flyer-Politik, um Müll zu vermeiden.

Vor allem aber, sogar wenn es nicht so wäre: es schiebt die Probleme auf individuelle Konsumentenentscheidungen ab. Das, was diesen Planeten aber gerade fertig macht, sind Großkonzerne und große politische Systeme. Für die können die 16-Jährigen, die noch nicht einmal wählen dürfen, exakt NICHTS – diese Welt haben die Vorgängergenerationen (meine eingeschlossen) geschaffen. Dagegen kämpfen die jungen Leute jetzt, und das ist ein Kampf, den eigentlich schon wir hätten führen müssen.

Und ihnen jetzt zu sagen: „So, die Probleme habt ihr mitverursacht, ihr müsst dann die Lösungen finden (hehe, ich bin dann eh schon nimmer da)“ finde ich, ehrlich gesagt, eine große Frechheit und Ungerechtigkeit gegenüber den wütenden, engagierten, mutigen jungen Leuten.“

Ehrlich. Ich hab keine Geduld mehr für den Scheiß. KEINE. Ich geh jetzt mal und mach mir einen Topfenwickel für die von Tippen beleidigte Sehnenscheidenentzündung, aber das war es mir wert.

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Die Liebenden von Modena

https://nypost.com/2019/09/12/turns-out-famed-skeletons-of-lovers-of-modena-were-both-dudes/amp/?__twitter_impression=true

Himmel hilf – seit der Entdeckung der Skelette hat nie jemand auch nur eine Sekunde hinterfragt, dass die zwei ein Liebespaar sind. Zu eindeutig die Auffindungssituation, zu innig die Art, wie sie miteinander geruht haben. Aber sobald klar ist, dass beides Männer waren, könnten sie auch verwandt gewesen sein, oder ‚fellow soldiers‘, und es ist voll unwahrscheinlich, dass man sie als Ausdruck ihrer homosexuell Liebe so begraben haben könnte. 

Haben diese Leute keine fucking Phantasie? 
Ja, klar, 500 n. Chr. war wahrscheinlich nicht die geilste Zeit, offen schwul zu sein. War es aber im Lauf der Geschichte meistens nicht, und es hat IMMER Leute gegeben, die sich darüber hinweggesetzt haben, heimlich oder sonstwie. Und es hat immer Leute um sie herum gegeben, die keine homophoben Arschlöcher waren und einfach akzeptiert haben, dass der Sohn/der Bruder/der Kumpel halt mit einem anderen Typen zusammen war.

Ist es so schwer, sich eine Familie vorzustellen, die das Geheimnis der beiden kannte und sie liebevoll gemeinsam beerdigt hat? Ist es so schwer, sich eine kleine Bauerngemeinde vorzustellen, in der das mit den zwei halt ein offenes Geheimnis war, aus dem man nicht zu viel gemacht hat? Oder sogar eine Truppe Soldaten, die halt geahnt haben, was ihre zwei Kumpel da am Laufen hatten und vielleicht die Nase gerümpft haben – aber es nach einer verlorenen Schlacht trotzdem nicht über’s Herz gebracht haben, sie alleine zu begraben?

Und damit hab ich noch nicht mal ANGEFANGEN, kompliziertere Storys zu entwerfen, aber mir fallen ungefähr achzig ein, wie ein männliches Liebespaar gemeinsam in einem Grab gelandet sein kann.

Ist es so fucking schwer, sich vorzustellen, dass Menschen immer Menschen waren, und nicht nur von sozialen Normen gesteuerte Arschlöcher?

Jeeez. 

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Regenwald

Schreibe grade hier sehr wenig, weil ich immer noch mit der Sehnenscheidenentzündung zu kämpfen hab und mir drum fast alle Worte des Tages, die meine Hand mir erlaubt, für den Brotberuf zusammensparen muss.

Aber weil’s grad wichtig ist, und weil sich ein paar von euch vielleicht auch grad so hilflos wegen der Regenwaldbrände fühlen*: darf ich euch dieses Projekt antragen, das in Peru Urwald aufkauft und die Rechte der indigenen Bevölkerung überträgt, die den Wald traditionell mit aller Kraft verteidigt?

https://www.rainforesttrust.org/projects/final-push-to-protect-indigenous-lands-in-the-peruvian-amazon/

*und/oder von intensiven Gewaltphantasien gegen den brasilianischen Präsidenten geplagt werden

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Jammerjammerjammer

Es gibt wahrscheiblich übellaunigere Kreaturen als eine Sarah mit wieder mal aufflammender Sehnenscheidenentzündung, die weder schreiben noch sich prügeln kann, aber mir fallen grad echt keine ein. Und heiß is mir auch.

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Das Ende einer Ära, der Beginn einer neuen

Ausgehend davon, dass dieser Blog nach meinem Aquarium benannt ist, mag es etwas als Schock kommen, dass ich selbiges heute mit großer Aggression und einem Stanleymesser attackiert hab. Aber ehrlich, ich hatte meine Gründe, und es sollte etwas Fulminantes dabei herauskommen.

Aber der Reihe nach.

Ich hab mir selbst vor einiger Zeit eingestanden, dass ich eigentlich zu oft verreist bin für die Anzahl von Fischen und Garnelen, die ich in dem großen Becken wohnen. Ich teile meine Zeit dieser zwischen Wien, OÖ und Nordrhein-Westfahlen auf, und viel zu oft bleiben die Fische folglich in der Pflege meiner Nachbarin. Die, möchte ich anmerken, sich gemeinsam mit ihrer Enkelin ganz wunderbar um die Fische n kümmert, aber trotzdem: eine Haustierhalterin, die die Hälfte der Zeit nicht da ist, ist keine Verantwortungsvolle. Besonders eindrucksvoll hat sich das letztes Jahr im Sommer gezeigt. Gerade während der großen Hitzewelle von letztem August war ich im Ausland (in dem Fall: in der Normandie mit meiner Familie), und… naja. Die Hitze hat dazu geführt, dass das Wasser nicht mehr abkühlen konnte, das – sorgsam gepflegte – Gleichgewicht im Becken ist gekippt. Wäre ich dagewesen, hätte ich mit Wasserwechsel und ähnlichem Gegenarbeiten können. War ich aber nicht, sondern bin stattdessen zwei Wochen später zu einem Algenmeer und toten Fischen heimgekommen. War nicht schön.

Ich hab eine sehr eindeutige Meinung zu Haustierhaltern, die sich Tiere halten, um die sie sich nicht ordentlich kümmern können, und die ist vehement. Don’t. Do. That.

Also habe ich die Konsequenzen gezogen. Nach dem Sommerdesaster des letzten Jahres habe ich meinen Tierbestand nicht mehr groß aufgestockt, sondern stattdessen begonnen, andere Pläne zu machen. Der erste Schritt bestand daraus, dass ich die Garnelen und Fische, die ich noch habe, in ein kleineres Becken im Schlafzimmer übersiedelt hab. Das sieht so aus:

Nachdem es um ein vielfaches kleiner ist als das große Wohnzimmerbecken ist das Ökosystem natürlich auch empfindlicher, aber ich hoffe, dass sich das durch den sehr viel kleinen Besatz und die größere Aufmerksamkeit, die ich ihm so schenken kann, ausgleicht.

Als nächstes kam der Teil, der wirklich wehgetan hat: das große Becken auszulassen. Das war wirklich nicht so einfach – ich hab das Aquarium seit mehr als zehn Jahren in betrieb, es war damals die erste größere Anschaffung, die ich mit selbst verdientem Geld gemacht hat. Ein so altes, eingefahrenes Ökosystem auseinanderzunehmen… alter Schwede, man fühlt sich schon sehr wie ein Schüf



Nun, das sieht ein bisschen deprimierend aus, nicht wahr? Aber, verzaget nicht, ich hab große Pläne für das Becken, nur eben solche, die viele Pflanzen enthalten, und weniger Fische. Erstere, so hoffe ich, kann ich nämlich auch einfach in meiner Abwesenheit mit einem ausgeklügelten Bewässerungssystem am Leben erhalten. Der erste Schritt dazu wird sein, die vordere Glasfront abzunehmen und durch eine viel niedrigere zu ersetzen, so dass unten ein kleines Becken entsteht, ich aber freien Zugriff auf die Rückwand habe. Hie kam das Stanleymesser ins Spiel, und sehr viel Gefluche um das Silikon. Bin noch nicht ganz fertig, ich werd Bilder posten, wenn ich das endlich durchgefizzelt habe.

Und was ich dann vorhabe… nun, ich werde Bilder posten. Möglicherweise Bilder davon, wie ich mich selber aus Versehen an einer Umwälzpumpe festgeklebt habe, aber es wird so oder so lustig. I’ll keep you posted.

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Es regnet, uns ich sitze am offenen Fenster und lese, genieße das Rauschen und die Kühle. Und ein Teil von mir ist kindlich dankbar, dasss es anscheinend wieder ein absurder Hitzesommer wird, aber wenigstens keiner der Dürre. Dass wir vielleicht heuer keine Satelitenbilder von einem braunen, ausgedörrten Europa zu sehen bekommen.

Immerhin, das kann der Klimawandel – nach ein, zwei Generationen vermeintlicher Sicherheit lernen wir wieder, vor jeder neuen Jahreszeit nervös in den Himmel zu schauen und uns zu fragen, wie wohl die Ernte wird. Ein archaisches Erlebnis in dieser seltsamen, neuen Welt.

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