Von Flammen

Ich könnte euch jetzt erzählen, dass meine beste Freundin Feuer mag. Ich könnte im selben Tonfall feststellen, dass ich Tee nicht für eine komplette Abnomination halte und dass der Papst vage religiös zu sein scheint.

Korrekter wäre die Feststellung: sie ist eine Feuerkreatur, es ist ihr Element, genau so, wie Worte meines sind. Die Frage, was sie dieses Jahr zu Weihnachten bekommt, war folglich eine sehr, sehr einfache. Ein wenig mühsamer war es, tatsächlich Hand an das geplante Geschenk zu legen – Vorrecherche, verloren gegangene Online-Bestellung, verstrichene Liefertermine, schließlich Erfolg in einem Akrobatik-Fachgeschäft in der Neubaugasse – aber der Aufwand war es wert. Einfach für den Moment, in dem sie sie gestern Nacht in der Dunkelheit meines Innenhofes stand, schon das Zischen der Streichhölzer gehört und den Feuerschein gespürt hat – und die Augen endlich wieder aufmachen durfte.

Das war ziemlich genau der Blick:

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Danach standen wir dann eine eine Dreiviertelstunde im Hof und verbrauchten fast eine halbe Flasche Lampenöl, während MD sich mit ihrem neuen pyromanischen Spielzeug vertraut machte. Wir standen dabei in einem relativ geschützten Winkel, aber über uns hat der Wind geheult, haben die Äste der beiden Bäume gezittert und gewispert, war der Himmel sturmdunkel. Wir haben kaum etwas davon mitbekommen – um so einen Feuerstab herum wird es erstaunlich warm, und unser Gelächter hat wahrscheinlich noch drei Bezirke weiter die Leute aufgeweckt.

Und dann kam der Moment, als wir gemerkt haben, dass diese Flammen zahm sind. Dass man man ihnen ganz nah kommen kann, ohne zu verbrennen, dass sie über die Haut tanzen, warm, aber nicht schmerzhaft. Wenn in diesem Moment jemand in den Hof gekommen wäre, dann hätte sich im ein seltsames Bild geboten: zwei junge Frauen stehen im Sturm und spielen mit dem Feuer, streicheln es wie eine Katze oder ein Frettchen, wie ein lebendiges Wesen eben, das die Berührung spürt und erwidert.

„Hm“, sage ich zu MD: „Scheint, als hätt ich dir aus Versehen ein Haustier geschenkt.“
„Ja“, sagt sie, ohne den Blick vom Feuer zu wenden: „Und ist es nicht schön?“

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